Sanierung: Höchste Eisenbahn

Nun reicht auch die Hilfe des Steuerzahlers nicht mehr: SBB-Mitarbeitende müssen helfen, ihre Pensionskasse zu sanieren.

Der Deckungsgrad der Pensionskasse SBB ist weiter geschrumpft: von 79,2 per Ende 2008 auf 75 Prozent per Ende März 2009. Das Loch beträgt rund 3 Milliarden Franken. Dies bei einem verhältnismässig hohen Anteil des Rentnerkapitals von 61,4 Prozent, dafür bei einem moderaten technischen Zins von 3,5 Prozent. Der technische Zins entspricht den erwarteten künftigen Renditen.

 

Das Fell wird nass werden

 

Somit ist auch für die SBB-Spitze klar: «Die Pensionskasse SBB muss saniert werden», sagte gestern SBB-Präsident Ulrich Gygi. Dabei müsse die Sanierung – wie bei anderen Kassen – von der SBB und von den Versicherten gemeinsam geleistet werden. «Man kann das Fell des Bären nicht waschen, ohne dass es nass wird», sagte Gygi. «Hier erwartet die SBB keine Sonderbehandlung.» Der Stiftungsrat sei vom Bundesamt für Sozialversicherung aufgefordert worden, bis Mitte 2009 Sanierungsmassnahmen vorzubereiten. Welche Massnahmen in Betracht fallen, konnte Rudolf Stampfli, Geschäftsführer der Pensionskasse, auf Anfrage noch nicht sagen.

 

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: Erhöhung der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge, eine Null-Verzinsung des Kapitals oder beides zusammen. Nachdem die BLS bereits angekündigt hatte, das Kapital im laufenden Jahr nicht zu verzinsen, darf wohl erwartet werden, dass auch die SBB diesen Weg beschreiten wird.

 

So oder so erwartet die SBB Unterstützung vom Steuerzahler. Schon vor einem Jahr forderte SBB-Chef Andreas Meyer 3 Milliarden Franken. Und Rudolf Stampfli erklärte in einem Interview (Ausgabe vom 2.Mai 2008): «Das Hauptproblem liegt darin, dass uns bei der Ausfinanzierung im Jahr 1999 keine Wertschwankungsreserven mitgegeben wurden. Wegen dieser fehlenden Schwankungsreserven war es unmöglich, die Börsenbaisse 2001 und 2002 aufzufangen.»

 

Im Juli vergangenen Jahres schickte der Bundesrat vier Varianten bzw. Sanierungsbeiträge in die Vernehmlassung: 3,2 Milliarden, 1,7 Milliarden, 662 Millionen oder 0 Franken.

 

Akuter Handlungsbedarf

 

Gestern bekräftigte Andreas Meyer: «Es besteht akuter Handlungsbedarf.» Ohne Aussicht auf eine Sanierungslösung müsste der Stiftungsrat noch im laufenden Jahr zwingend weitere einschneidende Sanierungsmassnahmen beschliessen. Dies könnte bedeuten, dass SBB und Mitarbeitende einen Einschuss in der Höhe von 1,5 bis 2 Milliarden Franken, verteilt über zehn Jahre, leisten müssten. Für die Mitarbeitenden bedeutete dies eine Lohnkürzung von 4,5 bis 6 Prozent.

 

Erschienen am 3. April 2009

Claude Chatelain