Vierte Säule: Mit Anlagefonds verdient eine Bank vierfach

Wenn ich schon Plädoyers für Anlagefonds halte, sollte ich doch auch schreiben, wie die Banken mit solchen Produkten abzocken. Dies hatte mir neulich ein Leser ans Herz gelegt.

Sicher ist, dass die Banken mit Anlagefonds Geld verdienen. Ich zweifle aber daran, dass man von Abzockerei sprechen kann. Man sollte diesen Begriff nicht allzu sehr verwässern. Wie sonst sollte man das Gebaren der «Geldsäcke und Wegelagerer» nennen, wie Jean Ziegler ausgewählte Bankmanager der Bahnhofstrasse nennt?

 

Gerne nehme ich die Gelegenheit wahr, die Kostenstruktur von Anlagefonds zu behandeln. Mit Anlagefonds verdienen die Banken nämlich auf vier Ebenen. Zuerst einmal verlangen sie beim Verkauf von Fondsanteilen eine Ausgabegebühr. Sie beträgt zwischen 0,5 und 2 Prozent.

 

Zweitens: Die Fondsanteile werden im Depot registriert, was ebenfalls nicht gratis ist. Die Banken verlangen eine Depotgebühr.

 

Drittens gibt es eine Managementgebühr. Der Fondsmanager und all seine Analysten sind nicht karitativ unterwegs. Sie wollen entschädigt werden. Diese Kosten sieht man auf keiner Abrechnung. Sie werden direkt dem Fondsvermögen belastet, was die Fondsrendite schmälert. Dazu folgende Milchbüechlirechnung: Wenn alle im Fonds befindlichen Wertschriften im Schnitt um 5 Prozent zulegten und die Verwaltungskosten 2 Prozent ausmachen, so beträgt die Fondsrendite nicht 5, sondern eben nur 3 Prozent.

 

Viertens verdienen die Banken, indem die Wertschriften innerhalb des Fonds gekauft und verkauft werden. Dafür verlangt die Bank ihrer eigenen Fondsgesellschaft eine Courtage, die nicht in den Verwaltungskosten enthalten ist, aber ebenfalls auf Kosten der Rendite geht.

Was jetzt? Soll man von Anlagefonds die Finger lassen? Ja, aber nur wenn es eine bessere Alternative gibt. Eine solche gibt es: Man teile das Vermögen in Aktien, Obligationen und Immobilienanlagen, pflücke sich selber die viel versprechenden Aktien heraus und verfolge das Börsengeschehen täglich.

 

Kleine Einschränkung: Man braucht dazu eine Million Franken, um dem Gebot der Diversifikation Genüge zu tun.

 

Erschienen in der BZ am 24. März 2009

Claude Chatelain