Vierte Säule: Leistungs- oder Beitragsprimat? Vergiss es: Duoprimat

Eine journalistische Regel besagt: Man solle nicht die Welt erklären. Vielmehr sollte man eine Geschichte von A bis Z erzählen, ohne auf dieses und jenes ebenfalls noch hinzuweisen. Der Text wird ungeniessbar, wenn auch noch diese Ausnahme und jene Spezialität erörtert wird. Sonst könnte man ebenso gut auf die juristische Literatur verweisen.

Nun ist die berufliche Vorsorge in der Schweiz derart kompliziert, dass man sie nur stark vereinfacht darstellen kann. Das gilt auch bei der Frage, wieweit freiwillige Einkäufe zu empfehlen sind. Diese Frage hängt unter anderem davon ab, ob die Pensionskasse nach dem Beitrags- oder dem Leistungsprimat geführt wird, wie in der Ausgabe vom 24. Februar 2009 beschrieben.

 

Bei den Vorsorgeeinrichtungen gemäss dem Leistungsprimat werden die Renten auf der Grundlage des letzten Gehalts berechnet. Und bei den Beitragsprimatkassen berechnen sich die Renten auf Grund der eingezahlten Beiträge. Dies gilt für die Alters- wie auch für die IV- und Hinterbliebenenrenten.

 

An sich ist diese Unterscheidung schon kompliziert genug. Doch mehr und mehr macht sich eine Mischform breit, das Duoprimat. Hier beruht die Altersrente auf dem Beitrags-, die IV- und Hinterlassenenrente auf dem Leistungsprimat. Dies hat den Vorteil, dass der Risikoschutz gegen Tod und Invalidität bei einem Vorbezug nicht verschlechtert wird. Dies im Unterschied zum reinen Beitragsprimat, wo ein Vorbezug des Kapitals zu tieferen Risikoleistungen führt.

 

Leider muss ich auch diese Aussage wieder relativieren. Es gibt auch Leistungsprimat- und Duoprimatkassen, bei welchen IV- und Hinterlassenenrenten bei Vorbezügen und Einkäufen angepasst werden. Die Idee dahinter: Wer Einkaufslücken aufweist, soll auch tiefere Leistungen in Kauf nehmen.

 

Folgende Frage ist zentral: Kommt man mit freiwilligen Einkäufen in den Genuss eines besseren Risikoschutzes? Falls nein, wäre das für den Einkauf benützte Geld bei Tod oder Invalidität verloren. Was wiederum nicht heissen will, dass man in solchen Fällen auf Einkäufe verzichten soll. Einkäufe haben noch andere Vorteile. Aber ich habe es ja gesagt: Das BVG ist kompliziert. Und überhaupt: Man kann in einem Artikel nicht die ganze Welt erklären.

 

Erschienen in der BZ am 17. März 2009

Claude Chatelain