Vierte Säule: Über den zweifelhaften Leistungsausweis von Kaspar Villiger

Die Börse hat kein Vertrauen in Kaspar Villiger - warum sollte sie?
Die Börse hat kein Vertrauen in Kaspar Villiger - warum sollte sie?

«Trotz der Nominierung des ehemaligen Schweizer Finanzministers zum neuen Verwaltungsratspräsidenten (…) stürzten die UBS-Aktien über die Woche gesehen 18,2 Prozent ab», schreibt die NZZ. Warum «trotz Villiger»? Müsste es nicht heissen «wegen Villiger»?

Sprechen wir hier nicht von jenem Kaspar Villiger, der massgeblich daran beteiligt war, mit Milliarden Franken die Swissair zu retten? Heute wissen wir: Die Swissair konnte trotz des massiven Einsatzes von Steuergeldern und trotz Villiger nicht gerettet werden. Hoffen wir, dass der UBS trotz Villiger nicht das Gleiche passiert.

 

Und wie war das mit Swiss Re? Villiger war schon über ein Jahr im Verwaltungsrat, als der  Investmentbanker Jacques Aigrain zum Konzernchef gemacht wurde. Mit dem ihm eigenen Führungsstil «Management by Demotivation» sollte Aigrain den Rückversicherer auf Wachstum trimmen, doch das Gegenteil trat ein. Als Folge davon fiel die Aktie innert zwei Jahren von 120 auf 12 Franken.

 

Oder ist es unfair, nur die  unrühmlichen Aktionen zu schildern? Dann noch dies: Ein Jahr nach seinem Amtsantritt als neuer Bundesrat und Finanzminister hatte die Eidgenossenschaft Schulden von 38 Milliarden Franken. Und als Villiger Ende 2003 das Amt seinem Nachfolger Hans-Rudolf Merz überliess, türmte sich der Schuldenberg auf 124 Milliarden Franken – eine Verdreifachung innert 13 Jahren. Ein beachtlicher Leistungsausweis. Das macht ihm nicht so leicht einer nach.

 

Erschienen in der BZ am 10. März 2009

Claude Chatelain