Drei auf einen Schlag

Über Pensionskassen werden derzeit mehr betrübliche denn erheiternde Nachrichten verbreitet. Und doch: Sparen via Pensionskasse lohnt sich. Die Rendite ist höher als auf dem Sparbuch.

Mehr als die Hälfte der Pensionskassen in der Schweiz haben eine Unterdeckung, wie der Swisscanto-Pensionskassenmonitor ergab (Ausgabe vom Donnerstag). Müssten die Einrichtungen der beruflichen Vorsorge heute auf einen Schlag sämtlichen Verpflichtungen nachkommen, wären sie nicht in der Lage dazu. Ob solcher Hiobsbotschaften sind Angestellte und Anleger unsicher geworden.

 

Nichtsdestotrotz: Das Sparen via 2.Säule verspricht höhere Renditen als das Sparbuch und manch andere Finanzanlage. Doch nur wenige nutzen die Gelegenheit, etwa im Gegensatz zum weit verbreiteten Sparen 3a. Zum einen, weil sie nicht daran denken. Zum andern, weil sich viele über ihre Einkaufsmöglichkeiten in die Pensionskasse und deren Vorzüge nicht im Klaren sind. Hand aufs Herz: Wer kennt schon die Höhe seiner Einkaufslücke?

 

«Über 50 Prozent unserer Angestellten hätten die Möglichkeit, sich einzukaufen und die Leistungen zu verbessern», sagt Thomas Hohl, Geschäftsführer der Migros-Pensionskasse. Die Mehrheit der Migros-Angestellten weisen demnach Einkaufslücken auf. Sie werden im Alter nicht die volle Rente erhalten, zu welcher sie laut Reglement Anspruch hätten.

 

Mit dem Einkauf in die Pensionskasse schlägt man drei Fliegen mit einer Klappe:

  • Die Altersrente wird höher ausfallen. Und wer lieber das Kapital bezieht, wird bei der Pensionierung ein höheres Alterskapital beziehen können.
  • Das Geld wird zu einem Zins angelegt, der in den meisten Fällen und in den meisten Jahren über den Sparzinsen der Banken liegt. Und dies erst noch steuerfrei.
  • Der überwiesene Betrag kann vom steuerbaren Einkommen in Abzug gebracht werden.

 

Unter Umständen kommt noch ein vierter Vorteil hinzu. Das höhere Pensionskassenguthaben führt nicht nur zu einer höheren Altersrente, sondern meistens auch zu einem besseren Risikoschutz. Die Pensionskasse ist nicht nur eine Versicherung für später. Sie ist auch eine Versicherung für heute: Sie versichert die Risiken Invalidität und Tod. Wie die AHV zahlt auch die Pensionskasse Invaliden- und Hinterlassenenrenten.

 

Keine höhere IV-Rente

 

Dieser vierte Punkt verlangt allerdings nach einer Relativierung. Nicht immer führen zusätzliche Einkäufe zu höheren IV- und Hinterlassenenrenten. Es gibt zwei Typen von Pensionskassen: das Beitrags- und das Leistungsprimat. Im Beitragsprimat lohnt es sich auf jeden Fall, zusätzliche Einkäufe zu tätigen. Hier werden nicht nur die Altersrenten, sondern auch die Hinterlassenenrenten auf Basis des vorhandenen Guthabens berechnet. Je höher das Pensionskassen-Guthaben, desto höher demnach die IV- und Hinterlassenenleistungen.

 

Anders beim Leistungsprimat: Zusätzliche Einkäufe haben auf die IV- und Hinterlassenenleistungen keinen Einfluss, weil diese auf Grund des Lohns und nicht auf Grund des Guthabens berechnet werden. Wer sich im Leistungsprimat einkauft und dann invalide wird, erhält trotz Einkauf keine höhere Rente. Hätte er das Geld auf dem Konto belassen, könnte er darüber verfügen, so aber ist es wegen des freiwilligen Einkaufs verloren.

 

Was nun? Beim Leistungsprimat muss jeder Einzelne abwägen, was nun wichtiger ist: Wird er invalide, sind die Einkäufe verloren. Bleibt er erwerbstätig, macht er ein gutes Geschäft.

 

Erschienen in der BZ am 24. Februar 2009

Claude Chatelain