Null Prozent Zins bei der BLS

Das Pensionskassenguthaben der BLS-Mitarbeiter wird 2009 zu null Prozent verzinst. Andere Kassen dürften diesem Beispiel folgen. Laut Swisscanto müsste jede vierte Pensionskasse der Schweiz saniert werden.

Der gesetzliche Mindestzins in der beruflichen Vorsorge ist für 2009 von 2,75 auf 2 Prozent gesenkt worden. Dies gab der Bundesrat im vergangenen Oktober bekannt. Daraus abzuleiten, das individuelle Pensionskassenguthaben werde nun 2009 zu mindestens diesen 2 Prozent verzinst, ist falsch. Etliche Pensionskassen werden für 2009 angesichts der misslichen Lage an den Finanzmärkten eine Nullverzinsung beschliessen. Will heissen, dass trotz dem gesetzlichen Mindestzins von besagten 2 Prozent das Guthaben keinen Rappen Zins abwerfen wird.

 

BLS: von 2 auf null Prozent

 

So zum Beispiel die BLS: Die paritätisch zusammengesetzte Vorsorgekommission der BLS hat einstimmig beschlossen, «die Verzinsung der Sparkapitalien im Jahr 2009 von 2 auf null Prozent herabzusetzen», bestätigt BLS-Sprecher Hans Martin Schär. Per Ende 2008 hatte das Vorsorgewerk der BLS, das zur Ascoop gehört, einen Deckungsgrad von 75 Prozent.

 

Gerade bei älteren Semestern mit einem angesparten Guthaben von mehreren hunderttausend Franken wird eine solche Massnahme schmerzhaft sein. 2 Prozent bei einem Pensionskassenguthaben von 300000 Franken sind immerhin 6000 Franken, die auf dem Konto fehlen werden. Eine tiefere Rente ist programmiert.

 

Viele Stiftungsräte werden erst Ende 2009 entscheiden, wie hoch das Kapital der Versicherten im laufenden Jahr verzinst wird. Das gilt auch für die Pensionskassen der Post und der SBB. Letztere wies per Ende 2008 ein Loch von 3 Milliarden Franken auf. Beide Kassenverantwortlichen erklärten auf Anfrage, dass Kapitalflüsse im laufenden Jahr nicht verzinst würden. Wer also im Oktober für die Finanzierung seines Eigenheims 100000 Franken von der Pensionskasse bezieht, dem werden die 100000 Franken für die Zeit von Januar bis Oktober nicht verzinst. Und wer heute in diesen Vorsorgeeinrichtungen freiwillige Einkäufe tätigt, dem wird der einbezahlte Betrag bis Ende Jahr auch nicht verzinst.

 

Publica: Noch 2 Prozent

 

Auch Publica-Direktor Werner Hertzog kann noch nicht sagen, wie hoch die Verzinsung im laufenden Jahr ausfallen wird. «Wir sind mit dem BVG-Mindestzinssatz von 2 Prozent gestartet; ob wir das durchziehen können, hängt von der Finanzmarktentwicklung ab. Wenn der Deckungsgrad im ersten Halbjahr weiter abnimmt und nahe an die Grenze von 90 Prozent kommt, werden wir uns eine tiefere Verzinsung überlegen müssen», sagt Hertzog. Dabei steht die Kasse der Bundesangestellten im Vergleich zu anderen Vorsorgeeinrichtungen recht gut da, wie ein Vergleich dieser Zeitung ergab (Ausgabe vom Donnerstag). Mit einem Deckungsgrad von 95,8 Prozent liegt sie über dem schweizerischen Schnitt, trotz dem tieferen technischen Zins von 3,5 Prozent. Der technische Zins entspricht den erwarteten künftigen Renditen.

 

Wie ist so was möglich, wenn doch der Bundesrat einen Mindestzins von 2 Prozent vorschreibt? Der gesetzliche Mindestzins gilt nur für den obligatorischen Teil der Pensionskasse. Doch viele sogenannte umhüllende Kassen bieten überobligatorische Leistungen an, die über die gesetzlichen Minimalforderungen hinausgehen. Vom gesamten Pensionskassenvermögen in der Schweiz sind rund 60 Prozent obligatorisch, rund 40 Prozent überobligatorisch.

 

Nun dürfte man annehmen, dass zumindest der obligatorische Teil zum gesetzlichen Minimum von 2 Prozent verzinst werden muss. Dies trifft in der Tat auch häufig zu, analog folgendem Beispiel: Bei einem Pensionskassenguthaben von 300000 Franken, bei welchem die Hälfte obligatorisch angespart wurde, würden 150000 Franken zu 2 Prozent und der Rest zu null Prozent verzinst. Der Zinsertrag würde demnach 3000 Franken betragen, entsprechende 1 Prozent auf dem gesamten Kapital.

 

Ein Zins von unter Null

 

Bei umhüllenden Kassen kann aber der Zinsertrag auch null Franken betragen, wie das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) bestätigt. In einer Schattenrechnung wird zwar der obligatorische Teil sehr wohl zu 2 Prozent verzinst. Dafür erhält der überobligatorische Teil eine Minusverzinsung, sodass unter dem Strich keine Verzinsung stattfindet.


Solche rigorosen Massnahmen sind aber nur bei Pensionskassen zu erwarten, die laut Praxis der Aufsichtsbehörden saniert werden müssen, also einen Deckungsgrad von weniger als 90 Prozent aufweisen. Laut Schätzungen von Swisscanto trifft dies für jede vierte Pensionskasse zu.

 

Erschienen in der BZ am 21. Februar 2009

Claude Chatelain