Keine Chance dem Fusspilz

Manche Leute kennen ihn nur vom Hörensagen. Andere werden in hartnäckiger Regelmässigkeit vom Fusspilz befallen. Doch das müsste nicht sein.

 

Jeder vierte erwachsene Europäer fasst irgendwann im Leben einen Fusspilz. Männer sind mit 60 Prozent häufiger davon betroffen. Oft trifft es immer wieder dieselben – und immer wieder an der gleichen Stelle. «Einmal Fusspilz, immer Fusspilz», ist man geneigt zu sagen.


Chronisch Fusspilzgeplagte werden dies bestätigen, wenn es sie nach dem Hallenbadbesuch zwischen den Zehen juckt, während die Partnerin oder der Partner den lästigen Juckreiz nur vom Hörensagen kennt. Experten sehen das anders. Sie verweisen auf Fälle, in denen sie Patienten nur einmal im Leben wegen Fusspilz behandeln mussten. So oder so: Gewisse Leute sind anfälliger als andere, einen Pilz einzufangen. «Wer Schweissfüsse hat, wird eher vom Fusspilz befallen», sagt Dagmar Simon, Oberärztin für Dermatologie am Inselspital Bern. Dies ist nicht ganz überraschend: Pilze haben es gern feucht. Deshalb lautet ja der erste und beste Tipp: die Füsse nach dem Duschen sehr gut abtrocknen, auch und besonders zwischen den Zehen. Dass nämlich die Pilzinfektion meistens zwischen dem vierten und fünften Zeh auftritt, ist damit zu erklären, dass dort der Raum am engsten ist und daher die Zehen nicht immer einfach zu trocknen sind.

 

Allzu viel Hygiene ist ungesund

 

Nicht nur der Schweissfuss, auch eine rissige Haut neigt eher zu Pilzbefall. «Die Hautstruktur und deren Widerstandskraft gegen Erreger ist bei jedem Menschen anders», bemerkt Florian Meier von der Adler-Apotheke in Winterthur. Wenn die Haut in den Zehenzwischenräumen durch starkes Schwitzen oder ungeeignetes Schuhwerk aufgeweicht wird, können sich die Pilzsporen besser einnisten. Die Haut ist natürlicherweise von einer Säureschicht überzogen, die für den Körper eine wichtige Schutzfunktion übernimmt; diese Schicht ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Durch Seife wird sie entfernt. Allzu häufiges Waschen empfiehlt sich also nicht. Kommt hinzu, dass auch der Immunstatus der Haut von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist.


Bekannt ist auch, dass ältere Menschen, Diabetiker und Leute mit Durchblutungsstörungen oder Gefässerkrankungen stärker mit Pilzen zu kämpfen haben.

 

Doch am häufigsten dürfte der Pilz bei Sportlern zu finden sein. Nicht umsonst heisst die Krankheit im englischen Sprachraum «athletes foot», also «Athletenfuss». Der Grund: Sportler duschen überdurchschnittlich oft in Gemeinschaftsduschen, in deren feuchtem Klima die Tinea pedis besonders gut gedeiht.

 

Dass gewisse Menschen immer wieder vom Fusspilz befallen werden, ist laut Cyril Andenmatten von der Bläsi-Apotheke in Basel auch damit zu erklären, dass ein früherer Pilz häufig nicht ganz ausgeheilt war – oder weil sich in Schuhen, Socken oder auf dem Teppich noch Sporen befanden. Um die Sporen abzutöten, wäre eine Kochwäsche von 95 Grad nötig. Bei baumwollenen Sportsocken mag das gutgehen; Wollsocken hingegen könnte man nach einem so heissen Waschgang höchstens noch an Kinder weiterreichen. Abhilfe schaffen antimykotische Waschmittelzusätze, die eine wäscheschonende Reinigung ermöglichen und die Sporen abtöten. Sie sind in Apotheken erhältlich.

 

Problematischer verhält es sich mit dem Teppich. Befinden sich darin Sporen, sind diese kaum mehr zu entfernen. Wer anfällig ist, sollte daher nicht nur im Hotelzimmer, sondern auch in den eigenen vier Wänden Hausschuhe tragen.

 

Erschienen im BEOBACHTER am 20. Februar 2009

 

Info

Was der Fusspilz mag

- Gummistiefel; enge, geschlossene Schuhe; Schuhe aus synthetischem Material

- Wärmestau mit hoher Luftfeuchtigkeit in den Schuhen

- ein schwaches Immunsystem

- eine schlechte Durchblutung

 

Was der Fusspilz nicht mag

- Trocknen Sie die Füsse nach dem Baden oder Duschen sehr gut, besonders zwischen den Zehen – am besten mit einem Föhn.

- Tragen Sie in Hotelzimmer, Hallenbad, Sauna und Duschraum Badeschlappen.

- Entfernen Sie überschüssige Hornhaut, weil Pilze durch deren Risse eintreten.

- Verwenden Sie hautschonende, pH-neutrale Seifen und Kosmetika.

- Ziehen Sie Lederschuhe und Baumwollsocken synthetischen Materialien vor.

- Lassen Sie die Schuhe abends gut auslüften; wechseln Sie die Socken täglich.

- Für die Schuhe gibts Anti-Pilz-Sprays.

- Waschen Sie Socken, Badetücher und Bettwäsche bei mindestens 60 Grad.

Claude Chatelain