Vierte Säule: Kaufe in der Baisse, aber kaufe gestaffelt

Vor einem Crash ist man nie gefeit.
Vor einem Crash ist man nie gefeit.

Wer über Finanzmärkte schreibt und den Eindruck erweckt, als hätte er hellseherische Fähigkeiten, muss sich immer wieder die gleiche Frage gefallen lassen: Ist der Zeitpunkt günstig, Aktien zu kaufen? Oder ist es besser, weitere Kursverluste abzuwarten?

Für Experten nichts einfacheres, als diese Frage zu beantworten, solange man nicht davor zurückschreckt, ehrlich zu bleiben. Die einzige ehrliche Antwort lautet: keine Ahnung.

Klar: Man könnte auch sagen, nachdem der Swiss Market Index (SMI) im zurückliegenden Jahr 35 Prozent gefallen ist, sei der Zeitpunkt jetzt günstig. Frei nach dem Motto: kaufe in der Baisse, verkaufe in der Hausse. Dagegen ist nichts einzuwenden. Doch der Fragesteller wird es nicht goutieren, wenn er heute Aktien kauft und in einem Monat das genau gleiche Paket um 10 Prozent billiger haben könnte. Anleger streben danach, den tiefsten Punkt zu ergattern, um dann bei der Hausse am grösstmöglichen Gewinn partizipieren zu können. Das Problem ist nur, dass es höchstens Glückspilzen, umso seltener aber Börsenprofis gelingt, den tiefsten Punkt zu erwischen.

 

Daher lautet die Antwort auf die oben gestellte Frage ganz lapidar: Kaufe jetzt, aber kaufe gestaffelt. Weil man nicht weiss, ob die Kurse nochmals purzeln, lege man jetzt ein paar hundert Franken in Aktienfonds an – und wiederhole das Prozedere im nächsten und übernächsten und überübernächsten Monat. Sinken die Kurse, wird man froh sein, nicht zu viel investiert zu haben und im Folgemonat die gleichen Fondsanteile günstiger kaufen zu können. Steigen die Aktien, wird man froh sein, wenigstens einen Teil angelegt und einen Kursgewinn erzielt zu haben. Für diese Anlagestrategie bieten die Banken konfektionierte Produkte an: Fondssparläne.

 

Erschienen in der BZ am 17. Februar 2009

Claude Chatelain