Bleibt der SNB nur der Ramsch?

Nicht Wertschriften in der Höhe von 60 Milliarden, sondern «bloss» von 39 Milliarden Dollar sollen von der UBS in die Zweckgesellschaft der Nationalbank überführt werden – ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Damit hatte niemand gerechnet: Im Herbst hatte es noch geheissen, die UBS werde Ramschpapiere für 60 Milliarden Dollar auslagern. Doch am Dienstag sagte UBS-Konzernchef Marcel Rohner, die Zweckgesellschaft würde voraussichtlich nur Bestände im Betrag von 39,1 Milliarden Dollar übernehmen.

 

Da UBS, Finanzmarktaufsicht und Nationalbank (SNB) in den vergangenen Wochen mehr schlecht als recht kommunizierten, sorgte auch diese Neuigkeit für Stirnrunzeln. «Ich befürchte, dass die UBS jetzt ausgerechnet die vielversprechenden Papiere für sich behält», sagte Nationalrätin Ursula Wyss (SP, BE) dieser Zeitung. Die Befürchtung ist nicht unbegründet: Der Wert der Studentenkredite und rückversicherten Wertschriften, die nun im UBS-Portefeuille bleiben, dürfte heute höher sein als Ende September 2008, zum Teil auch wegen neuer Buchführungsvorschriften. Doch der Wert von Ende September ist zentral, denn der Transfer der Vermögen von der UBS in die Zweckgesellschaft erfolgt «zu den Preisen per Ende September 2008, und zwar entweder zum Buchwert der UBS oder zum Wert, den die SNB auf Grund unabhängiger Expertisen feststellt». So steht es in der Medienmitteilung der SNB vom 26.November 2008.

 

Die Streuung der Risiken

 

Würden also jene Papiere zum Wert von Ende September 2008 transferiert, könnte die Zweckgesellschaft vermutlich einen schönen Gewinn erzielen. Gerade das will jedoch die Nationalbank nicht bestätigen. SNB-Sprecher Nicolas Haymoz war lediglich zu entlocken: «Die Risikodiversifikation ist nach wie vor ausreichend.» Näheres werde an der Medienkonferenz vom 4.März 2009 bekannt gegeben.

 

Nach Angaben von Ursula Wyss habe man ihr zugesichert, das durch die Zweckgesellschaft zu verwaltende Vermögen sei diversifiziert. Es sollten sich also auch vielversprechende Papiere darunter befinden, die das Verlustrisiko schmälern. «Ich muss leider davon ausgehen, dass die Risikostreuung nun eher schlechter ist», meint Wyss.

 

Ein Zeichen der Stärke

 

Nationalrat Hans Kaufmann (SVP, ZH) sieht das anders: «Der springende Punkt ist, dass die UBS in der Lage ist, etwas mehr Risiken zu halten». Der frühere Chefökonom der Bank Julius Bär erachtet es als ein Zeichen der Stärke, wenn nun «bloss» 39,1 Milliarden ausgelagert würden.

 

Sein Ratskollege Pirmin Bischof (CVP, SO) pflichtet ihm bei und sagt: «Wir haben alles Interesse, dass die UBS wieder stärker wird.» Es habe ja immer die Absicht bestanden, dass die Zweckgesellschaft nur die illiquiden Papiere übernehme. Illiquid, weil derzeit kein Markt bestehe. Doch in Zukunft dürften auch die verbrieften Finanzkonstrukte wieder gehandelt werden und demnach über einen Marktpreis verfügen. «Der Punkt ist, dass die Nationalbank im Unterschied zur UBS nicht unter Zeitdruck steht, die Papiere zu verkaufen», sagt Bischof.

 

Der UBS zu viel bezahlt

 

Doch der CVP-Nationalrat aus Solothurn sieht noch ein anderes Problem: Die Eidgenossenschaft überwies der UBS über die Wandelanleihe 6 Milliarden Franken. Dies mit dem Zweck, dass die UBS das auf 10 Prozent bezifferte Eigenkapital der Zweckgesellschaft zu bezahlen vermag. Nun muss aber die UBS als Eigenkapital nicht 6, sondern bloss 4,5 Milliarden Franken einschiessen, sodass 1,5 überflüssige Milliarden Franken zweckentfremdet zur UBS flossen.

 

Spätestens in zweieinhalb Jahren wird die Pflichtwandelanleihe fällig und muss in UBS-Aktien umgewandelt werden – und zwar zu einem Kurs von 20 Franken. Es liegt im Interesse der Steuerzahler, dass der Kurs der UBS über 20 Franken steigt. Die Eidgenossenschaft könnte dann die Aktien zu 20 Franken kaufen und zum höheren Marktpreis wieder verkaufen.

 

Erschienen in der BZ am 12. Februar 2009

Claude Chatelain