Vierte Säule: Vernichtungsmaschine zweite Säule?

Der Schredder der Notenbank an der Expo 02 in Biel.
Der Schredder der Notenbank an der Expo 02 in Biel.

Was wurde da angeblich nicht alles vernichtet bei den Pensionskassen in der Schweiz. 80 Milliarden Franken sollen es sein, suggeriert der Pensionskassen-Index der Credit Suisse. Laut dem Pensionskassenberater Graziano Lusenti könnten es sogar 90 Milliarden sein, wie er der NZZ sagte.

Da kommt einem unweigerlich die Geldvernichtungsmaschine der Nationalbank in den Sinn, wie sie an der Expo in Biel Note um Note schredderte. Im Unterschied zur Nationalbank-Maschine haben die Pensionskassenverwalter das Geld nicht aktiv vernichtet. Sie haben eine langfristige Anlage getätigt. Doch wenn man in Aktien oder auch Obligationen investiert, so sind Kursschwankungen programmiert –  gegen unten, noch mehr aber gegen oben.

 

Wo wurde geschrieben, wie viel Geld die Pensionskassen in den Börsenboom-Jahren 2003 bis 2007 geschaffen  haben? Wenn man das «Vernichten» schätzen kann, lässt sich auch das «Generieren» beziffern. Graziano Lusenti hat die Aufgabe auf meinen Wunsch erledigt und Jahr für Jahr akribisch vorgerechnet, um wie viele Prozent das Pensionskassenvermögen allein wegen der Buchgewinne angestiegen ist. Nun, von 2003 bis 2007 hat sich das Pensionskassenvermögen um 130 Milliarden Franken vermehrt – nicht wegen Zuflüssen, sondern wegen Kursgewinnen. Ich verliere gerne 80 Franken, wenn ich im Gegenzug ohne mein Zutun 130 Franken verdiene. Diese Gegenüberstellung relativiert auch die Panikmache wegen der  Unterdeckung zahlreicher Pensionskassen.

 

Erschienen in der BZ am 3. Februar 2009

 

Claude Chatelain