Keine Kasko ist wie die andere

Kasko oder Teilkasko oder weder noch? Das ist die Frage.
Kasko oder Teilkasko oder weder noch? Das ist die Frage.
In der Krankenversicherung ist es nichts Besonderes, die obligatorische Grundversicherung und die freiwilligen Zusatzversicherungen bei verschiedenen Anbietern abzuschliessen. Anders bei der Autoversicherung.

Bei der Autoversicherung ist es nicht üblich und ist auch nicht sinnvoll, die Haftpflicht- und die Teilkaskoversicherung bei unterschiedlichen Gesellschaften zu versichern. Das macht das Wechseln vom einen zum anderen Versicherer alles andere als einfach. Während nämlich die Haftpflichtversicherung mehr oder weniger einheitlich daherkommt, sind die Unterschiede in der Teilkasko erheblich.

Jede Stunde wird ein Reh überfahren
Jede Stunde wird ein Reh überfahren

Geschätzte 80 bis 90 Prozent der Fahrzeughalter haben neben der obligatorischen Haftpflichtversicherung auch die freiwillige Voll- oder zumindest Teilkasko abgeschlossen. Die Teilkasko ist fast immer sinnvoll. Es sei denn, man fährt mit einem völlig amortisierten Auto herum. Denn die Teilkaskoversicherung deckt auch unverschuldet verursachte Totalschäden: Diebstahl, Tier-, Feuer- oder Elementarschäden. Zur Erinnerung: Auf Schweizer Strassen wird jede Stunde ein Reh überfahren. Bei der Teilkaskoversicherung gibt es zwei Typen: Standardangebote und Baukastensysteme. Beim Standardangebot gibt der Versicherer vor, welche Risiken versichert sind. Das ist in den meisten Fällen auch sinnvoll, denn die Risiken, die durch die Teilkasko versichert sind, lassen sich in der Regel nicht beeinflussen. Beim Baukastensystem stellt der Versicherte den Deckungsumfang selber zusammen. Folgende Risiken können mit einer Teilkasko versichert werden:

 

Feuer- und Elementarereignisse: Brennende Wagen sind eher die Ausnahme. Auch dass der Wagen im Hochwasser «absäuft», kommt eher selten vor. Dennoch sollten Elementarereignisse versichert werden. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie zwar selten eintreten. Wenn sie aber eintreten, wird es teuer, da oft Totalschaden entsteht. Im Versicherungsjargon nennt man dies: geringe Eintretenswahrscheinlichkeit mit einem hohen Schadenpotenzial.

 

Diebstahl: Pro Jahr werden in der Schweiz um die 60 000 Autos gestohlen. Bei der Versicherung «einfacher Diebstahl auswärts», die häufig im Paket mit der Hausratversicherung abgeschlossen wird, ist der Autodiebstahl nicht versichert.

 

Tierschäden: Auf den Schweizer Strassen wird jede Stunde ein Reh überfahren. Die Gefahr einer Kollision mit einem Wildtier darf nicht unterschätzt werden. Unfälle mit Tieren müssen von der Polizei, vom Wildhüter oder Tierhalter protokolliert und bestätigt werden.

 

Frontscheibe kaputt? Teilkasko zahl
Frontscheibe kaputt? Teilkasko zahl

Glasbruch: Die Kosten für den Ersatz der zerborstenen Windschutzscheibe könnte man notfalls auch selber berappen. Man muss aber wissen: Kaputte Frontscheiben ist der am häufigsten auftretende Schaden, der von den Teilkaskoversicherern zu vergüten ist. Versichert sind nur die Scheiben, nicht aber Scheinwerfer, Rückstrahler und Glühbirnen. Häufig ist im Standardangebot allein für den Glasbruch ein Selbstbehalt in Kauf zu nehmen.

 

Vandalismus: Ist der Wagen Zielscheibe einer Zerstörungswut fremder Personen, so zahlt die Versicherung nur bedingt. Versichert ist das mutwillige Abbrechen von Antennen, Rückspiegeln, Scheibenwischern und Ziervorrichtungen. Auch das Zerstechen der Reifen und das Hineinschütten von schädigenden Stoffen in den Treibstofftank sind versichert. Die Aufzählung ist abschliessend.

 

Parkschäden: Schäden am parkierten Auto sind im Standardangebot normalerweise nicht versichert. Sie können in jedem Fall zusätzlich versichert werden. Aber aufgepasst: Ein Parkschaden ist nur dann ein Parkschaden, wenn der Schaden am eigenen parkierten Auto durch einen dritten Fahrzeuglenker verursacht wurde. Wird der Parkschaden selber verursacht, braucht man für die Deckung eine Vollkaskoversicherung. Und noch eine Präzisierung: Mutwillig verursachte Kratzer gehören nicht in die Kategorie der Parkschäden, sondern des Vandalismus. Sie sind normalerweise nicht versichert.

 

Putzig, aber lästig
Putzig, aber lästig

Marderschäden: Die putzigen Raubtiere gehören zu den Lieblingstieren der Garagisten. Sie richten Jahr für Jahr Schäden von über 30 Millionen Franken an. Freilich sind sie aber nicht auf jeden Wagentyp gleich scharf. Wichtig ist, dass auch die Folgeschäden versichert sind, was heute meistens der Fall ist.

 

Diebstahl von Reiseeffekten: Vier von fünf Schweizern haben im Rahmen der Hausratversicherung den einfachen Diebstahl auswärts mitversichert. Diese Zusatzversicherung gilt auch für die im Auto mitgeführten Waren. Wo dieser Versicherungsschutz fehlt, kann der Diebstahl von Reiseeffekten als zusätzlicher Baustein der Teilkasko-Versicherung mitversichert werden.

Unfall gebaut? Voll-Kasko zahlt.
Unfall gebaut? Voll-Kasko zahlt.

Schäden am eigenen Auto

Die Teilkasko-Versicherung deckt Schäden durch Feuer, Hagel, Sturm, Schneelawinen, Glasbruch oder Diebstahl ab. All das deckt die Vollkasko-Versicherung auch. Darüber hinaus versichert die Vollkasko auch Schäden, die durch den Autolenker am eigenen Fahrzeug verursacht werden. Je älter ein Fahrzeug ist, desto weniger lohnt sich die Vollkasko. Im Unterschied dazu ist die Teilkasko-Versicherung in den allermeisten Fällen zu empfehlen.

 

Erschienen in der BZ am 27. Januar 2009

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Claude Chatelain