Manager sollen haften

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung von Unternehmen, die faktisch nicht pleitegehen dürfen, sollten wie Kollekivgesellschafter haften. Das fordern Johann Schneider-Ammann und Privatbankier Konrad Hummler.

Wären bei der UBS Unternehmer und nicht Manager an den Schalthebeln gesessen, so wäre die Schweiz vom Schlamassel verschont geblieben, den Marcel Ospel und seine Komparsen dem Land bescherten. Diese Erkenntnis ist Ausgangspunkt der Überlegungen von Johann Schneider-Ammann und dem Privatbankier Konrad Hummler.

 

Solidarische Haftung


So hatte der FDP-Nationalrat Schneider-Ammann in der Dezembersession eine parlamentarische Initiative eingereicht. Darin verlangt er, «dass im Falle einer staatlichen Rettungsmassnahme zu Gunsten eines systemrelevanten Unternehmens die obersten strategischen und operativen Führungsorgane, welche die Ursache des staatlichen Eingreifens mitverantworten, persönlich und solidarisch für den daraus der Allgemeinheit entstehenden Schaden haften». «Wir sind Unternehmer. Wir gehen mit Risiken anders um als Manager», sagte gestern Schneider-Ammann vor Journalisten. «Wir wollen, dass Manager mehr wie Unternehmer denken». Systemrelevant ist ein Unternehmen dann, wenn seine volkswirtschaftliche Bedeutung derart ausgeprägt ist, dass sich der Staat eine Pleite nicht leisten kann. Der Staat muss dann finanziell eingreifen, wie das im Fall der UBS geschehen ist. Zu solchen systemrelevanten Unternehmen gehören laut Schneider-Ammann nicht nur die Grossbanken, sondern auch konzessionierte Unternehmen aus dem Transport-, Kommunikations-, Energie- oder Rohstoffbereich. Als Beispiele genannt wurden gestern die SBB, Post, Swisscom und die Elektrizitätsgesellschaften.

 

Kollektivgesellschaft


Bei solchen Unternehmen müssten laut den Vorstellungen von Hummler und Schneider-Ammann eine spezialrechtliche Kollektivgesellschaft gegründet werden. Die Personen der obersten Führungsorgane wären dann die Kollektivgesellschafter. Sie würden im Schadenfall haften, auch mit ihrem Privatvermögen Damit würden die Verantwortlichen stärker in die Pflicht genommen. Die falschen Anreize wären beseitigt.

 

Wäre Johann Schneider-Ammann bereit, im Verwaltungsrat einer Grossbank Einsitz zu nehmen, wenn er dann wie ein Kollektivgesellschafter haften würde? «Ja», sagte gestern der Vollblutunternehmer, «da ich weiss, dass die anderen ebenfalls voll haften würden». Der Privatbankier Konrad Hummler von Wegelin & Co. pflichtete dem Politiker bei. Das Schlimmste für ihn wäre nicht der private Konkurs. Das Schlimmste für ihn wäre, mit einer unverantwortlichen Handlung seine Partner in den Privatkonkurs getrieben zu haben.

 

Erschienen in der BZ am 23. Januar 2009

Claude Chatelain