Auf den Zivilstand kommt es an

Verheiratete werden mit gemischten Lebensversicherungen begünstigt.
Verheiratete werden mit gemischten Lebensversicherungen begünstigt.

«Sind Sie verheiratet, ist die gemischte Lebensversicherung zu empfehlen. Falls Sie im Konkubinat leben, sind Sie mit einer reinen Risikotodesfallversicherung besser bedient», erklärt der Berater. Normalerweise hat er Recht; nicht jedoch im Kanton Bern.

Die «Gemischte» ist eine Sparversicherung, also eine Kombination von Versichern und Sparen. Wenn der Versicherungsnehmer während der Vertragsdauer stirbt, erhalten die Erben die versicherte Todesfallsumme ausbezahlt. Sonst erhält er am Ende der Laufzeit das Erlebensfallkapital. Als Alternative kann man aber auch eine Risikotodesfallversicherung ohne Sparteil abschliessen. Sie funktioniert wie eine Schadenversicherung: Es gibt nur Geld, wenn der Schaden eintritt, im vorliegenden Fall der Tod.

 

Unterschiedliche Regeln

 

In beiden Fällen ist das Todesfallkapital zu versteuern, allerdings nach unterschiedlichen Regeln. Bei der «Gemischten» unterliegt die Todesfallsumme der Erbschaftssteuer. Daher fallen bei der Begünstigung des Ehegatten im Kanton Bern und den meisten anderen Kantonen keine Steuern an. Wird jedoch der nicht verheiratete Partner begünstigt, so werden je nach Kanton happige Erbschaftssteuern fällig, so zum Beispiel im Kanton Solothurn.

 

Anders bei der reinen Risikoversicherung. Hier unterliegt die ausbezahlte Todesfallsumme der Einkommenssteuer. Sie wird wie ein Kapitalbezug aus der Pensionskasse oder der Säule 3a getrennt vom übrigen Einkommen zu einem tieferen Satz versteuert. Diese Steuer wird in der Mehrheit der Kantone nicht so hoch ausfallen wie die Erbschaftssteuer, weshalb nicht verheiratete Partner mit dieser Variante zumindest aus steuerlicher Sicht besser fahren. Es sei denn, der Erblasser wohnt im Kanton Schwyz, wo keine Erbschaftssteuern fällig werden.

 

Prämienvolumen beachten

 

Der Kanton Bern gehört wie zum Beispiel die Kantone Freiburg und Aargau zu jenen Kantonen, bei welchen Konkubinatspartner in den Genuss reduzierter Steuern kommen. «Im Kanton Bern gilt für Konkubinatspartner eine liberale Haltung», weiss Stefan Hunziker von der Five Informatik in Schönbühl. Die Erbschaftssteuer kommt selbst für Nichtverheiratete tiefer zu stehen als die Einkommenssteuer. Das pure Gegenteil ist dagegen im Kanton Solothurn zu beobachten.

Schliesst ein Konkubinatspaar eine Sparversicherung mit einer Todesfallsumme von 500000 Franken ab, welche also der Erbschaftssteuer unterliegt, so wird der überlebende Partner dem Fiskus 154000 Franken abliefern. Über 100000 Franken mehr, als wenn er eine reine Risikoversicherung ohne Sparteil abgeschlossen hätte.

 

Schwierige Entscheide

 

Für Ehegatten dürfte der Entscheid schwieriger sein: Allein aus steuerlichen Gründen müssten sie sich für die «Gemischte» erwärmen. Sie könnten die Todesfallsumme steuerfrei beziehen, da ja Ehegatten keine Erbschaftssteuern zahlen. Bei der reinen Risikotodesfallversicherung müssten sie dagegen Einkommenssteuern abliefern. Allerdings ist der steuerliche Aspekt nur einer von vielen. Denn meistens ist die reine Variante der gemischten vorzuziehen – eben mit Ausnahme des steuerlichen Nachteils, den zumindest Ehepaare erfahren.

 

Erschienen in der BZ am 13. Januar 2009

Claude Chatelain