Berufliche Vorsorge: Rentner zur Kasse

Sollen Rentner für die Sanierung der Pensionskasse beitragen?
Sollen Rentner für die Sanierung der Pensionskasse beitragen?

Mancher Rentner hat dieser Tage schlecht geschlafen. Dass es den Pensionskassen wegen der globalen Finanzkrise nicht sonderlich gutgeht, dürfte er zwar schon länger wissen. Nun musste er aber lesen, dass für die Sanierung von Einrichtungen der beruflichen Vorsorge verstärkt auch Rentnerinnen und Rentner zur Kassen gebeten werden sollten. Dies forderte unter anderem der Pensionskassenverband Asip.

Dass auch Rentner für die Sanierung der eigenen Pensionskasse Hand bieten müssen, hat einiges für sich. Eine Einrichtung der beruflichen Vorsorge zählt eine bestimmte Anzahl Angehörige – aktiv und passiv Versicherte. Muss sie nun saniert werden, geschieht dies aber allein auf dem Buckel der aktiv Versicherten und des Arbeitgebers. Die passiv Versicherten, also die Rentner, können nicht belangt werden. Eine Solidarität besteht hier nicht. Das sieht man etwa an der sanierungsbedürftigen Pensionskasse SBB. Dort entfallen 63 Prozent des gesamten Vorsorgekapitals auf Rentner. Solidarisch sind hingegen die Arbeitnehmer: Sie vereinen nur 37 Prozent des Kapitals, müssten aber für die Sanierung alleine aufkommen. (Es sei denn, es werde erneut der Steuerzahler zur Kasse gebeten. Dies ist aber eine andere Geschichte.)

 

Besonders stossend ist dieser Umstand, wenn Pensionäre eine Rente beziehen, die sie selber nicht voll finanziert haben, wie das mitunter gerade bei der SBB auch der Fall ist. In solchen Fällen könnte man erst recht erwarten, die Rentner würden ihren Beitrag für die Sanierung leisten. Denn wo immer Pensionäre eine zu grosszügige Rente erhalten, geht dies letztlich zu Lasten der aktiv Beschäftigten, die eben erst noch alleine die allfällige Sanierung tragen müssen.

 

Auf der anderen Seite ist es nicht der Fehler der Rentnerinnen und Rentner, wenn ihnen der Arbeitgeber bei der Pensionierung zu grosszügige Renten versprochen hatte. Manch einer hat auf Grund der vorliegenden Rentenberechnungen seine Pensionierung vorverschoben. Hätte er gewusst, dass ihm dereinst das Renteneinkommen gekürzt wird, hätte er sich womöglich erst im ordentlichen AHV-Alter pensionieren lassen. Angehende Rentnerinnen und Rentner müssen wissen, wie viel Rente sie von der AHV und der Pensionskasse erhalten. Und sie müssen darauf zählen können, dass sie diese Rente auch bis ans Lebensende erhalten werden.

 

Immerhin müsste es aber möglich sein, spätere Rentenerhöhungen auf Grund der Teuerung oder anderer Gründe wieder rückgängig zu machen. Das Gesetz sieht diese Möglichkeit vor, aber nur bei einem freiwilligen Teuerungsausgleich auf zehn Jahre zurück und bei grossem Sanierungsbedarf. Diese gesetzlichen Einschränkungen müssten aufgehoben werden. So würden Rentnerinnen und Rentner die ungleiche Belastung bei Sanierungen etwas ausgleichen, erhielten aber immer noch die Rente, die ihnen ursprünglich versprochen wurde.

 

Erschienen in der BZ am 1. November 2008

Claude Chatelain