Die Details zum UBS-Hilfspaket

«Too big to fail» gilt auch für die UBS. Sie ist zu gross, um scheitern zu dürfen. Also müssen Eidgenossenschaft und Nationalbank stützend eingreifen und der gebeutelten Grossbank mit 68 Milliarden Franken Hilfe leisten.

Nach den USA und den meisten EU-Ländern muss nun auch die Eidgenossenschaft zur Stützung des Bankenplatzes Steuergelder lockermachen. Das Stützungspaket hat einen Wert von umgerechnet 68 Milliarden Franken. 62 Milliarden werden von der Nationalbank, 6 Milliarden vom Bund beigesteuert.

 

Konkrete Massnahmen

 

Im Unterschied zu Deutschland und den USA wird in der Schweiz nicht einfach ein Hilfspaket geschnürt, dessen Inhalt irgendwie, irgendwann und irgendwo zur Stützung maroder Banken oder zum Schutz gefährdeter Ersparnisse eingesetzt wird. Nationalbankpräsident Jean-Pierre Roth und Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf konnten gestern konkrete Massnahmen und Pläne bekannt geben, wie genau dem Bankenplatz und insbesondere der UBS zu helfen ist.

Als Sofortmassnahme wird der Bundesrat in der Wintersession eine Botschaft unterbreiten, wie der Schutz der Ersparnisse zu erhöhen ist.

 

Was die konkreten Massnahmen zur Rettung der UBS betrifft, so kauft die Nationalbank der UBS Wertschriftenbestände im Wert von maximal 68 Milliarden Franken. ab. Das heisst, sie gibt der Zweckgesellschaft ein Darlehen von 62 Milliarden Franken, damit diese die illiquiden Wertschriften von der UBS übernehmen kann. Es handelt sich dabei vornehmlich um Papiere, die durchaus ihren Wert haben, im gegenwärtigen Umfeld aber keinen Käufer finden.

 

Darunter befinden sich auch die ominösen Subprime-Hypotheken im Wert von rund 5 Milliarden Franken. Wobei die Nationalbank nur den heutigen Buchwert und nicht den früheren Marktwert bezahlt. Für die genannten Subprime-Hypotheken zahlt sie damit für die abgeschriebenen Papiere nur 10 Prozent des ursprünglichen Marktpreises. «Die UBS hat diese Positionen aggressiv abgeschrieben», sagte Jean-Pierre Roth.

 

Die Zweckgesellschaft wird von der Nationalbank strategisch geführt, wobei die UBS zur Abdeckung allfälliger Verluste ein Eigenkapital von 7 Milliarden Franken einschiessen muss. Die Einkünfte der Zweckgesellschaft aus Zinsen und Verkäufen werden nach Deckung der Betriebskosten zur Rückzahlung des Kredits von 62 Milliarden Franken verwendet. Nach Rückzahlung des Darlehens in acht oder spätestens zwölf Jahren erhält die Nationalbank eine Gewinnbeteiligung von 1,14 Milliarden Franken sowie 50 Prozent des restlichen allfälligen Gewinns.

 

Neben der Nationalbank eilt auch der Bund zu Hilfe – und zwar mit 6 Milliarden Franken. Dies geschieht mit einer Pflichtwandelanleihe (siehe Kasten).

 

Keine Stärkung des Kapitals


Mit dieser Anleihe wird die Eigenkapitalbasis der Bank nur auf den ersten Blick gestärkt – nachdem bereits Staatsfonds aus Singapur und dem Nahen Osten und später die UBS-Aktionäre das Eigenkapital um 28 Milliarden Franken aufstockten. Denn die UBS muss ja, wie gesagt, 7 Milliarden Franken als Starthilfe in die Zweckgesellschaft einschiessen. Doch es zeigte sich, dass die UBS nicht mehr in der Lage ist, die benötigten 7 Milliarden auf dem freien Markt zu beschaffen, sodass der Bund, also die Steuerzahler, die Zeche zahlen oder zumindest hohe Risiken eingehen müssen.

 

Der Zins der Pflichtwandelanleihe beträgt stolze 12,5 Prozent. Dieser überdurchschnittlich hohe Zins spiegelt die mangelhafte Kreditwürdigkeit der ehedem so stolzen UBS. Zum Vergleich: Den Staatsfonds aus Singapur und dem Nahen Osten musste die UBS im Dezember 2007 «nur» 9 Prozent anbieten.

 

 

So funktioniert die Wandelanleihe

Die Wandelanleihe ist eine Kombination einer Obligation mit einer Aktie. Der Käufer erhält einen festen Zins und hat zudem das Recht, die Anleihe während einer bestimmten Frist zu einem bestimmten Preis in eine Aktie umzuwandeln. Dieses Recht nimmt man logischerweise nur bei steigenden Aktienkursen wahr.

 

Der Bund hat jedoch bei der UBS eine Pflichtwandelanleihe gezeichnet, wonach er nicht das Recht, sondern die Pflicht hat, innerhalb der vorgegebenen Frist von zweieinhalb Jahren die Anleihe in Aktien umzuwandeln. Der Bund muss also die Aktien auch dann kaufen, wenn sie unter den vorgegebenen Kurs, den sogenannten Wandel- oder Ausübungspreis, fällt.

 

Wie schon bei der Pflichtwandelanleihen der beiden Staatsfonds aus Singapur und dem Nahen Osten ist auch die gestern vorgestellte Anleihe kompliziert strukturiert. Bund und UBS haben sich nicht auf einen festen

Ausübungspreis, sondern auf eine Bandbreite geeinigt. Der Referenzpreis wird erst am 26.November 2008 bekannt sein, weil er sich unter anderem am Durchschnittskurs der Börsentage vor der ausserordentlichen GV orientiert. Steigt der Kurs auf 117 Prozent des Referenzpreises, wie er eben am 26.November bekannt wird, zahlt der Bund für die Aktie den Marktpreis. Steigt die Aktie höher, zahlt er 117 Prozent des Referenzpreises. Fällt jedoch die Aktie unter den Referenzpreis, zahlt der Bund mindestens ebendiesen Preis. Wobei es dem Bund freigestellt ist, ob und wann er in der gegebenen Frist die Anleihe am Markt verkaufen oder in Aktien umwandeln will.

 

Nach Angaben von Peter Siegenthaler, Direktor der Eidg. Finanzverwaltung, habe man sich auf diese komplizierte, aber marktgängige Lösung geeinigt, damit man die Anleihe im Markt besser wiederverkaufen kann.

 

Erschienen in der BZ am 17. Oktober 2008


Claude Chatelain