Wo Oblis besser sind als Aktien

Fondsgebundene Versicherungen gegen Einmalprämie sind so gut wie der zu Grunde liegende Anlagefonds. Die meisten wählen einen Aktienfonds. Oblifonds wären besser.

Einmalprämienversicherungen gehören zu den konservativsten Anlagen überhaupt: Man überweist der Versicherungsgesellschaft eine Prämie und erhält dafür am Ende der Vertragsdauer einen garantierten Betrag ausbezahlt – steuerfrei. Daneben wird auch noch eine Todesfallsumme versichert, die den Erben ausbezahlt würde, sollte der Versicherungsnehmer in der Zwischenzeit sterben. Man muss aber wissen, dass der Todesfallschutz nur aus steuerlichen Gründen integriert ist, damit das Erlebensfallkapital am Ende der Laufzeit nicht versteuert werden muss. So ist die Todesfallsumme kaum grösser als die Prämie selber.

 

Fondsgebunden


Solche Einmalprämienversicherungen kann man auch in der Fondsvariante haben. Damit fliesst die Prämie nicht ins Kapitalanlageportefeuille der Versicherung, sondern in einen ausgewählten Anlagefonds. Dies mit der Konsequenz, dass die Höhe des Erlebensfallkapitals am Ende der Laufzeit nicht mehr garantiert ist, sondern je nach Fondsrendite tiefer oder höher ausfällt. Je höher die Rendite des Anlagefonds, desto höher das ausbezahlte Kapital.

Stellt sich die Frage, welches Produkt von welchem Anbieter die höchste Rendite verspricht. Eine fondsgebundene Einmalprämienversicherung ist so gut wie der zu Grunde liegende Anlagefonds. Da aber die Fondsrendite erst im Nachhinein bekannt ist, ist unbedingt auch auf die Kosten zu achten.

 

Beim Kauf einer fondsgebundenen Versicherung fliesst nicht die gesamte Prämie in den Anlagefonds, sondern nur die Sparprämie oder Nettoprämie. Sie ergibt sich aus der effektiv bezahlten Bruttoprämie abzüglich der Kosten für Risikoschutz, Verwaltung und Vertrieb. Sie beträgt so zwischen 80 und 90 Prozent der Bruttoprämie. Je höher die Sparprämie, desto höher die Rendite.

 

Garantien sind gefragt


Vor einigen Jahren ist nun ein neuer Typ in Mode gekommen: Fondsgebundene Einmalprämienversicherungen, bei welchen nicht nur das Todesfall-, sondern auch das Erlebensfallkapital garantiert ist. Dies jedoch mit der negativen Begleiterscheinung, dass hohe Absicherungskosten die Rendite schmälern. Roger Matthes, Leiter Privatkunden Leben bei der Basler: «Es besteht ein grosses Bedürfnis nach garantierten Leistungen.»

Stellt sich die Frage nach der Fondskategorie. Berater neigen dazu, Aktienfonds zu empfehlen. Diese Empfehlung ist zweifelhaft. Aktienkursgewinne sind steuerfrei, derweil die zu versteuernden Dividendenerträge kaum ins Gewicht fallen. Da macht es wenig Sinn, Aktien in ein steuerbegünstigtes Vehikel zu verpacken.

 

Anders verhält es sich mit Obligationenfonds. Sie werfen zum Teil hohe Zinserträge ab, welche als Einkommen zu versteuern sind. Da kann es Sinn machen, solche Fonds mit einer Versicherung zu verbinden, um die Erträge von den Steuern zu befreien.

 


 

VERGLEICH: Grosse Unterschiede bei den Kosten

Die Maklerfirma Roth Gygax & Partner aus Gümligen vergleicht monatlich die Rendite ausgewählter fondsgebundener Versicherungen mit Einmaleinlage. Bei einer angenommenen Fondsrendite von 5 Prozent resultiert bei Helvetia eine Nettorendite von 4,64 Prozent; bei Aspecta hingegen beträgt sie bloss 3,9 Prozent. Diese markante Differenz ist auf die unterschiedlich hohen Kosten zurückzuführen, da ja von einer identischen Fondsrendite von 5 Prozent ausgegangen wird.

 

Die Tabelle nebenan zeigt eine Liste ausgewählter Obligationenfonds, welche mit einem Versicherungsvertrag umhüllt werden

können. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein in der Vergangenheit erfolgreicher Anlagefonds auch in Zukunft zu den erfolgreichen zählen wird, liegt laut Studien bei über 60 Prozent. Daher lohnt es sich, jene Obligationenfonds herauszupicken, die in der Vergangenheit die höchsten Renditen erzielten.

 

Doch die Kosten sind ein noch wichtigeres Kriterium als die Rendite der Vergangenheit. Die Kosten sind gegeben. Wie aber die Rendite in Zukunft ausfallen wird, ist ungewiss.

 

Erschienen in der BZ am 30. September 2008


Claude Chatelain