Die AHV steigt um 3,2 Prozent

Wenn die AHV-Renten steigen, werden auch die Grenzbeträge in der beruflichen Vorsorge angepasst. Dies aber nicht unbedingt zum Vorteil der Arbeitnehmer, solange sie nicht gleichzeitig eine Lohnerhöhung erhalten.

Die Teuerung dürfte im laufenden Jahr um die 2 Prozent betragen. Und 2009 werden die Konsumentenpreise laut Schätzungen nur noch um rund 1 Prozent steigen. Da können sich AHV-Rentner doppelt freuen: Ihre Rente steigt im kommenden Jahr trotzdem um 3,2 Prozent.

Der Grund dieses vermeintlichen Missverhältnisses liegt darin, dass die Rentenanpassung der AHV nur alle zwei Jahre erfolgt. Ausserdem wird die Rente nicht nur der Preis-, sondern auch der Lohnentwicklung angepasst, dem sogenannten Mischindex. Dabei müsste der Anstieg der Renten auf Grund des arithmetischen Mittels zwischen dem Lohn- und Preisindex der Jahre 2007 und 2008 sogar noch höher ausfallen, erklärt Anton Streit, Leiter der Alters- und Hinterlassenenvorsorge im Bundesamt für Sozialversicherungen. Doch bei der letzten Anpassung vor zwei Jahren waren die Preise und Löhne nicht so stark angestiegen wie prognostiziert, was man nun korrigieren musste. Die Anpassung vor zwei Jahren war also zu hoch ausgefallen. Sollten die Schätzungen für 2008 auch danebenliegen, würde das in zwei Jahren wiederum korrigiert.

 

Umstrittener Mischindex

 

Die automatische Anpassung der AHV-Renten und auch der Mischindex selber sind nicht unbestritten. Linke Kreise sähen es lieber, die Renten würden nur der Lohnentwicklung angepasst. Sie haben guten Grund für diese Forderung, denn normalerweise steigen die Löhne dank Produktivitätsfortschritten stärker als die Preise. Bürgerliche möchten dagegen die Renten nur den Preisen und nicht den Löhnen anpassen. Auch das macht Sinn, schliesslich spürt der Rentner nur die Preiserhöhung in seinem Portemonnaie, nicht aber die Lohnentwicklung. Nochmals anderen schwebt das schwedische Modell vor, wonach sich die Anpassung der Renten an der Lebenserwartung und der finanziellen Situation der AHV orientiert.

 

Zur Erinnerung: Bei den Altersrenten der beruflichen Vorsorge gibt es keine gesetzliche Vorgabe, die Rente der Preisentwicklung anzupassen. So warten beispielsweise die Rentnerinnen und Rentner der kantonalbernischen Verwaltung seit 2002 auf einen Teuerungsausgleich.

 

3a: Höhere Beiträge


Von den gestern bekannt gegebenen Anpassungen profitieren nicht nur Rentnerinnen und Rentner. Auch für Erwerbstätige ergeben sich Neuerungen. Sie können ab 2009 um 3,2 Prozent höhere Beiträge in die Säule 3a überweisen. Das Sparen 3a ist vor allem deshalb beliebt, weil man damit Steuern sparen kann. Was in die Säule 3a einbezahlt wird, lässt sich vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen.

 

Für Arbeitnehmer eher nachteilig sind dagegen dieAnpassungen in der zweiten Säule der beruflichen Vorsorge. Ein höherer Koordinationsabzug bedeutet einen tieferen versicherten Lohn. Und je tiefer der versicherte Lohn, desto kleiner die Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge, was sich schliesslich in tieferen Renten niederschlägt. Diese Kettenreaktion gilt allerdings nur für Vorsorgeeinrichtungen, welche sich am gesetzlichen Minimum orientieren. Es ist den Pensionskassen freigestellt, höhere Leistungen, sogenannte überobligatorische Leistungen, zu versichern.

 

Das gilt auch für den Mindestjahreslohn: Wenn eine Frau im Teilpensum 20000 Franken pro Jahr verdient, ist sie heute obligatorisch in der beruflichen Vorsorge versichert. Im kommenden Jahr ist die Frau als Folge der Anpassungen dann nicht mehr obligatorisch der zweiten Säule unterstellt. Es sei denn, sie kommt in den Genuss einer Lohnerhöhung.

 

Erschienen in der BZ am 27. September 2008

Claude Chatelain