Erst der Hausarzt, dann der Spezialist

Bei jedem Leiden zuerst zum Hausarzt. Das schlägt Visana-Chef Peter Fischer als Alternative zum Ärztestopp vor. Am Dienstag wird die Gesundheitskommission des Ständerats über den Zulassungsstopp für Ärzte befinden.

Über die heutige Lösung des Zulassungsstopps für Ärzte ist niemand glücklich. Denn seit 2002 werden Ärzte nur noch unter Auflagen zugelassen. Mehrere neue Lösungsvorschläge liegen auf dem Tisch. Sie vermögen jedoch den Direktionsvorsitzenden von Visana nicht zu überzeugen. Den gemeinsamen Vorschlag der Schweizerischen Gesundheitsdirektorenkonferenz und des Ärzteverbands FMH bezeichnet Peter Fischer sogar als «Planungswahnsinn». So bringt nun der Berner Krankenversicherer Visana einen neuen Lösungsvorschlag in die Debatte, bevor die Gesundheitskommission des Ständerats am kommenden Dienstag über diverse Alternativen diskutieren wird. Den Visana-Vorschlag könnte man als «Grundversorger-Modell» bezeichnen.

 

So funktioniert es: Bei jedem Leiden hat der Versicherte zuerst den Hausarzt aufzusuchen. Wobei es im Unterschied zu den herkömmlichen Hausarztmodellen dem Versicherten freigestellt ist, welchen Hausarzt er konsultieren will. Visana-Chef Peter Fischer spricht denn auch lieber vom Grundversorger denn vom Hausarzt.

 

Spezialist als Hausarzt


Der Grundversorger kann laut dem Visana-Modell auch ein Spezialist sein. Voraussetzung sei lediglich, dass dieser auch Notfalldienste verrichtet und sich bereit erklärt, mindestens 50 Hausbesuche pro Jahr bei Patientinnen und Patienten zu machen.

 

Mit diesem Modell verspricht sich Peter Fischer, das Problem der mangelnden Grundversorgung in ländlichen Gebieten zu lindern. «Als grösster Krankenversicherer im Kanton Bern können wir das Problem der Grundversorgung im Berner Oberland hautnah beobachten», erklärt Fischer. Wenn sich nun jeder Versicherte zuerst vom Grundversorger behandeln lassen müsse, würden die nötigen Anreize geschaffen, diesen Berufsstand aufzuwerten und ihn auch kommerziell interessanter zu machen.

 

Stopp dem Zulassungsstopp

 

Gleichzeitig soll der Zulassungsstopp für Ärzte aufgehoben werden, wie er ja weder von rechts noch von links als probates Mittel angesehen wird. Visana-Chef Peter Fischer ist überzeugt, dass mit seinem Modell die befürchtete Ärzteschwemme ausbliebe. «Die Gefahr, dass all die Spezialärzte aus dem In- und Ausland eigene Praxen eröffneten, ist bei unserem Modell gering», sagt Fischer. Denn die Eröffnung eigener Praxen würden sich kommerziell kaum rechnen, wenn jeder Versicherte vorgängig eine ambulante Grundversorgung in Anspruch nehmen müsse. Fischer geht davon aus, dass rund 80 Prozent der medizinischen Leistungen abschliessend durch den Grundversorger abgedeckt werden können.

 

Erschienen in der BZ am 23. August 2008

Claude Chatelain