Überschüsse nicht garantiert - und gestrichen

Der gute Geschäftsgang seiner Versicherung nützt Kunde Rudolf Walder herzlich wenig. Die «Zürich» hat ihm die Überschüsse gestrichen.

Rudolf Walder hatte 1996 für 650000 Franken eine aufgeschobene Leibrentenversicherung abgeschlossen. Die erste der halbjährlichen Zahlungen erfolgte im Dezember 2005: Der Chemiker aus Küsnacht erhielt 29319 Franken; sechs Monate später nochmal so viel. Im Dezember 2006 dann die Enttäuschung: Es gab 671 Franken weniger. Dazu muss man wissen: Die Versicherer bieten garantierte Renten plus nicht garantierte Überschüsse an. Die Höhe der Überschüsse ist im Wesentlichen von den Erträgen der Finanzmärkte abhängig. Sie können jederzeit gekürzt oder auch gestrichen werden.

 

Begründung unbefriedigend

 

Doch nachdem die Pressestelle der «Zürich» im Februar verkündet hatte, dass die «Zürich» Schweiz «auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr» zurückblicke, hat Walder wenig Verständnis für diese Streichung. Die Begründung der «Zürich»: «Neben der Situation an den Finanzmärkten führte bei den Leibrentenpolicen auch die stetige Zunahme der Lebenserwartung dazu, dass die Überschusssätze nach unten korrigiert werden mussten.»

 

Eine Aussage, die Walder nicht gelten lässt: «Dass sich die Lebenserwartung erhöhen wird, ist nichts Neues und sicher in der Prämie eingerechnet. Sonst wäre das grobfahrlässig von einer Versicherung.» Weder die Ombudsstelle der Privatversicherung noch das Bundesamt für Privatversicherungen BPV konnten dem Unzufriedenen helfen. Alles ist rechtens, die Überschüsse sind ja nicht garantiert. Das genügt Walder nicht: «Man kann nicht kontrollieren, ob die Streichung gerechtfertigt ist. Der Kunde ist der Versicherungsgesellschaft ausgeliefert.»

 

Der Frust ist verständlich. Doch es ist üblich unter Lebensversicherern, bei Vertragsabschluss Überschussanteile in Aussicht zu stellen, sie bei Bedarf aber zu streichen. Gut beraten ist daher, wer nur auf die garantierten Leistungen baut – sollten dann wirklich Überschüsse ausbezahlt werden, umso besser.

 

Erschienen im Beobachter am 11. Juli 2008

Claude Chatelain