Wie Generali aus Plus ein Minus macht

Als Paul Knuchel aus Boll BE das Kapital aus seiner Sparanlage ausbezahlt wird, staunt er nicht schlecht: Es ist weniger, als er vor zehn Jahren einbezahlt hatte.

Paul Knuchel hatte der Generali-Versicherung Anfang 1998 für eine anteilgebundene Versicherung 50000 Franken bezahlt; ausbezahlt wurden ihm noch 48199 Franken. Anteilgebunden heisst, dass die Sparprämie investiert wird, im konkreten Fall in vier verschiedene Anlagefonds. Was Paul Knuchel nicht wissen konnte: Investiert wurden bloss 41298 Franken. Den Rest, unbescheidene 17 Prozent, hatte die Generali gleich zu Beginn als Abschluss- und Risikokosten abgezwackt. Mit «Risiko» ist die Todesfallsumme von 67274 Franken gemeint. Sie ist nur unwesentlich höher als die Einmalprämie.

 

«Da kann doch etwas nicht stimmen», sagte sich der ehemalige Bahnangestellte und schickte die Unterlagen dem Bundesamt für Privatversicherungen (BPV) zur Begutachtung. Doch das BPV kam zum Schluss, die Leistung sei korrekt berechnet worden. Allerdings stimmt die Rechnung am Ende nur für die Generali-Versicherung – Paul Knuchel hingegen wäre deutlich besser gefahren, wenn er die 50000 Franken direkt in die Anlagefonds investiert hätte statt in die Sparanlage der Versicherung. Die Rendite hätte 16,7 Prozent betragen, nach Abzug der Gebühren immer noch rund 14 Prozent. Das wären 7000 Franken Gewinn statt knapp 2000 Franken Verlust.

 

Erschienen im BEOBACHTER am 27. Juni 2008

Claude Chatelain