Unter falscher Flagge unterwegs

Die Schweiz kennt mehrere Konsumentenschutzorganisationen: die Stiftung für Konsumentenschutz in Bern, das Konsumentenforum in Zürich, die Konsumentenschutzstelle in Cham… Konsumentenschutzstelle?

Was sich da als Verbraucherschutz anbiedert, ist in Wirklichkeit ein Maklerbüro – und erst noch ein zweifelhaftes. Das musste auch Simona Gambino erfahren. Sie wurde auf der Strasse von einem netten Herrn angesprochen. Der Mann von der «Konsumentenschutzstelle» hatte sich empfohlen, ihre Finanzsituation zu überprüfen. «Laut unseren Beratungen im Versicherungsbereich hat sich herausgestellt, dass acht von zehn Personen in der Schweiz zwar sympathische Berater haben, diese Ihnen aber Produkte anbieten, die Sie gar nicht unbedingt benötigen», schreibt die Konsumentenschutzstelle auf ihrer Homepage.

 

Simona Gambino scheint auch zu diesen überversicherten Personen zu gehören, empfehlen die Chamer doch der 23-jährigen Frau, ihre fondsgebundene 3a-Police der Zürich-Versicherung durch eine Police der Skandia zu ersetzen. Damit begeht sie zwei Fehler: Mit dem Auswechseln zweier vergleichbarer Produkte gewinnt nur einer – der Makler. Zweitens brauchen ledige Personen gar keine Lebensversicherung, auch keine fondsgebundene, da sie niemanden für den Fall ihres Todes finanziell absichern müssen.

 

Hinter dem irreführenden Firmennamen steht eine gewisse Triumph Consulting GmbH in Cham. Auf Anfrage heisst es: «Wir sind eine Konsumentenschutzorganisation, die Privatpersonen berät, die sich für Produkte im Versicherungs- und Vermögensbereich interessieren.» Für Guido Sutter vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist die Bezeichnung Konsumentenschutzstelle für einen Makler «irreführende Werbung» und daher gesetzeswidrig.

 

Keine behördliche Überwachung

 

Doch für wettbewerbsrechtliche Fragen gibt es keine behördliche Überwachung, Betroffene müssen selbst Anzeige erstatten. Genau das gedenkt die Stiftung für Konsumentenschutz zu tun. «Es geht nicht, dass sich ein Makler Konsumentenschutzstelle nennt und damit den Eindruck erweckt, eine Konsumentenschutzorganisation zu sein», erklärt Stiftungsratspräsidentin Simonetta Sommaruga. «Wir werden Anzeige erstatten.»

 

Erschienen im BEOBACHTER am 13. Juni 2008

Claude Chatelain