Trotz schäbiger Rendite interessant

Das gebundene Vorsorgesparen 3a boomt nur dank der Steuervorteile. Die Banken können sich getrost zurücklehnen.

Die Verzinsung der Vorsorgekonti 3a ist schäbig. Gerade mal 2,25 Prozent zahlt die UBS für diese langfristig angelegten Gelder. Dies ist zwar erheblich mehr als noch vor einem Jahr, als der Bankkunde mit mickrigen 1,5 Prozent abgespeist wurde. Es ist aber deutlich weniger, als etwa achtjährige Kassenobligationen abwerfen, die derzeit 3,25 Prozent hergeben. Dabei bleiben die gebundenen Vorsorgekonti des Typs 3a im Schnitt länger liegen als acht Jahre. Der 3a-Zins müsste daher darüber liegen.

 

Mangelhafter Wettbewerb

 

Die tiefen 3a-Zinsen sind eine Folge mangelnden Wettbewerbs. Denn nicht wegen der steuerfreien Zinserträge liegen mehrere Milliarden Franken auf den Vorsorgekonti, sondern wegen der steuerlichen Begünstigung. Arbeitnehmer mit einer Pensionskasse können derzeit bis 6365 Franken pro Jahr auf solche Konti 3a überweisen und vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Je nach Grenzsteuersatz lassen sich damit jährlich gut 2000 Franken Einkommensteuern sparen. Allein wegen dieser Steuerersparnis fliessen ohne Zutun der Banken Millionen Franken auf die steuerbegünstigten Konti 3a.

 

Subvention für Banken

 

Was also dem Fiskus verloren geht, kommt den Banken zugute, welche es sich leisten können, die Konti 3a wegen des mangelhaften Wettbewerbs niedrig zu verzinsen. Überspitzt formuliert könnte man auch sagen, dass die Eidgenossenschaft mit dem steuerbegünstigten Vorsorgesparen die Banken subventioniert.

 

Die Banken werden einwenden, der Kunde sei besser beraten, Anlagefonds zu kaufen, statt das Geld auf dem Konto 3a zu belassen. Denn es gibt Anlagefonds, die eigens für das Vorsorgesparen konzipiert wurden und eigenen Vorschriften gehorchen. Eine der Vorschriften lautet, der Aktienanteil dürfe 50 Prozent des Vermögens nicht überschreiten. So führen die Banken drei bis fünf Vorsorgefonds im Sortiment, die sich einzig im Aktienanteil unterscheiden. Das Problem ist nur, dass die Rendite dieser Fonds auch nicht zu überzeugen vermag.

 

Es heisst doch allenthalben, das Wertschriftensparen sei vor allem langfristig interessant. Nun kommen aber die Vorsorgefonds, welche seit über zehn Jahren auf dem Markt sind, auf erbärmliche Jahresrenditen von 1bis 2,6 Prozent. Da vermögen selbst die mickrig verzinsten Konti 3a noch mitzuhalten. Die Fünfjahresperformance ist im Vergleich deutlich besser.

 

Versteckte Kosten

 

Der Grund dieser allgemein enttäuschenden Ergebnisse liegt in den Kosten. Vorsorgefonds erhält man auf den ersten Blick gratis. Das heisst, man zahlt im Unterschied zu den herkömmlichen Anlagefonds keine Ausgabekommission. Doch wie bei den konventionellen Fonds verrechnen auch die Vorsorgefonds dem Fondsvermögen eine Managementgebühr. Bei der UBS beträgt die pauschale Verwaltungskommission je nach Fonds zwischen 1,44 und 1,64 Prozent des verwalteten Vermögens. Erzielt der Fonds pro Jahr eine Rendite von 2 Prozent, verbleiben nach Abzug der Kosten nur noch 0,5 Prozent.

 

Das Sparen 3a lohnt sich also vor allem für die Banken. Aber auch der Sparer wird dank der steuerlichen Begünstigung die zum Teil schwachen Renditen in Kauf nehmen.

 

Vielleicht hat man dabei auch Glück, setzt auf den richtigen Fonds und verkauft ihn zur rechten Zeit. Der BVG Oeko 3 von Swisscanto legte in drei Jahren jährlich 7,4 Prozent zu – wahrlich eine Superrendite, und erst noch mit ökologischen Grundsätzen erzielt.

 

Was ist 3a?

 

Warum sagt man übrigens 3a? Das Vorsorgesystem der Schweiz beruht auf drei Säulen: Die erste Säule ist die staatliche Vorsorge, die zweite die berufliche und die dritte die private Vorsorge. Wobei sich diese dritte Säule in die gebundene 3a und die freie Vorsorge 3b unterteilt. Das Geld in der gebundenen Vorsorge kann erst fünf Jahre vor dem ordentlichen AHV-Alter bezogen werden – von einigen Ausnahmen abgesehen. Die aufs gebundene Konto 3a bezahlten Beiträge können vom steuerbaren Einkommen abgezogen werden. Dafür ist beim Bezug eine Kapitalauszahlungssteuer zu zahlen. Wobei diese einmal zu entrichtende Steuer weit weniger ins Gewicht fällt als der jährliche Steuerabzug.

 

Erschienen in der BZ am 10. Juni 2008

Claude Chatelain