So sind Hausbesitzer abgesichert

Wer vom Mieter zum Eigentümer mutiert, braucht einen anderen und zum Teil einen zusätzlichen Versicherungsschutz. Die BZ zeigt, welche Versicherungen nötig sind.

In den kommenden Wochen wird die Schweiz im besten Fall Europameister im Fussball. Doch in einem Bereich ist sie bereits heute sogar Weltmeister: im Zahlen von Versicherungsprämien. Häufig werden potenzielle Schäden versichert, die man aus dem eigenen Sack bezahlen könnte. Versicherungen sind dort unterlässlich, wo ein allfälliger Schaden die Existenz bedroht. Gerade Hausbesitzer sollten sich vorsehen.

 

Gebäudeversicherung


Feuer, Hochwasser, Überschwemmung, Sturm, Hagel, Lawine, Schneedruck, Felssturz, Steinschlag und Erdrutsch – all diese Ereignisse sind durch die Feuer- und Elementarschadenversicherung gedeckt, oft Gebäudeversicherung genannt. Die Versicherung ist in 19 Kantonen obligatorisch, so auch in Bern, Solothurn und Freiburg.

Zu beachten: Erdbebenschäden sind noch nicht gedeckt. Die Versicherungsgesellschaften der Schweiz sind jedoch damit beschäftigt, auf Anfang 2010 eine landesweite Erdbebenversicherung zu schaffen.

 

Privathaftpflicht

 

Hauseigentümer leben gefährlicher als Mieter. Unter anderem haften sie für umgestürzte Bäume auf dem eigenen Grundstück. Doch ob Mieter oder Hauseigentümer, die Privathaftpflichtversicherung ist ein Muss. Es lohnt sich, die Versicherungssumme eher zu hoch als zu tief anzusetzen.

Zu beachten: Die Kinder sind in der Familienpolice mitversichert. Sobald sie mündig werden, einen Lohn beziehen oder ausziehen, könnte eine Versicherungslücke entstehen.

 

Gebäudehaftpflicht


Es gibt Gebäudeversicherungen; es gibt Privathaftpflichtversicherungen, und es gibt Gebäudehaftpflichtversicherungen. Diese Versicherung ist für Hausbesitzer überflüssig, sofern sie selber im Haus wohnen. Denn die Schäden, die durch die Gebäudehaftpflicht gedeckt sind, sind via Privathaftpflicht versichert. Anders verhält es sich, wenn das Haus vermietet wird: Hier ist die Gebäudehaftpflichtversicherung unerlässlich.

Zu beachten: Bei Mehrfamilienhäusern ab einer bestimmten Grösse ist die Gebäudehaftpflicht zwingend, auch wenn man selber im Gebäude wohnt.

 

Gebäudewasser


Gebäudeschäden, die von dem Leck in der Wasserleitung, dem Rückstau in der Kanalisation oder dem defekten Wasserbett herrühren, sind nicht durch die Gebäude-, sondern durch die Gebäudewasserversicherung gedeckt. Die Versicherung ist freiwillig, jedoch zu empfehlen, weil ein allfälliger Schaden in die Tausende von Franken gehen kann. Zu beachten: Die Kosten für die Freilegung der Leitung sind oft auf 5000 Franken beschränkt. Eine höhere Deckung ist dort angebracht, wo die Suche des Lecks mit überdurchschnittlich hohen Kosten verbunden sein wird, zum Beispiel bei einer Wasserleitung unter einem Marmorboden.

 

Rechtsschutz

 

Zänkische Nachbarn beschäftigen die Gerichte ziemlich häufig. Das geht so weit, dass Hauseigentümer bei gewissen Rechtsschutzversicherern höhere Prämien zahlen als Mieter. Zu beachten: Rechtsschutzversicherungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie mehr ausschliessen als einschliessen. Die häufigsten Fälle für einen Anwalt wie Scheidungen oder Erbstreitigkeiten sind nicht versichert. Unbedingt abklären, welche Rechtsgebiete tatsächlich versichert sind.

 

Hausratversicherung

 

Das Einfamilienhaus bietet in aller Regel mehr Platz als die Mietwohnung. Das wird sich erfahrungsgemäss in zusätzlichem Mobiliar niederschlagen. Daher ist die Versicherungssumme nach oben anzupassen. Die Versicherungssumme sollte dem tatsächlichen Wert des Hausrates entsprechen. Wer unterversichert ist, muss unter Umständen Leistungskürzungen in Kauf nehmen.

Zu beachten: Die Deckung «einfacher Diebstahl auswärts» wird häufig im Gesamtpaket mitversichert. Die grössten Schäden verursachen Fahrrad-, Ski- und Snowboard-Diebstähle. Wer kaum Gefahr läuft, dass solche Geräte abhanden kommen, kann auf diese Zusatzdeckung verzichten.

 

Glasversicherung

Die zerborstene Fensterscheibe wird die Familie kaum ruinieren. Teurer kommen das gespaltene Lavabo oder die kaputte Keramikplatte. Auch solche Schäden sollten verkraftbar sein.

Zu beachten: Versichert ist nur fest installiertes Glas, nicht jedoch Glasgeschirr, Glasfiguren oder Handspiegel.

 

Erschienen in der BZ am 27. Mai 2008

Claude Chatelain