Die liebe Verwandtschaft

Eine Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cousine von Roger Federer sitzt im Nationalrat. Spannend, was Ahnenforschung so zutage fördert. Aber Vorsicht: Das kann teuer werden.

Lieber Roger Federer, kein Mensch würde Ihnen unterstellen, Sie nähmen sich zu wenig Zeit für Ihre Fans. Doch fragen wir uns, ob Sie Ihrer eigenen Familie die gebührende Aufmerksamkeit schenken. Wie Ihnen nicht entgangen sein dürfte, wurde Barbara Schmid-Federer in den Nationalrat gewählt. Bei Recherchen auf ihrer Homepage ist uns nun aufgefallen, dass die CVP-Politikerin Ihre Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cou-Cousine ist. Zu verdanken ist dies einem Ulrich Fäderer, der um 1550 gelebt haben soll, noch bevor Maria Stuart auf dem Schafott endete.

Dieser Ulrich Fäderer ist Frau Schmid-Federers und auch Ihr Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Grossvater. Zwölf Generationen sind das, wie Ihre Verwandte Barbara schreibt. Wer weiss, mit wem Sie noch verwandt sind?

Ahnenforschung ist heute dank Internet ja ganz einfach. Aber aufgepasst: Auch hier tummeln sich dubiose Anbieter. Was haben wir doch für Reklamationen erhalten von betrogenen Leserinnen und Lesern. Bekannt – und gefürchtet – ist da etwa das Internetportal www.genealogie.de. Wenn Sie sich dort anmelden, verpflichten Sie sich für ein Abo, falls Sie das Kleingedruckte nicht lesen, das ja niemand liest. Wir bangen zwar nicht um Ihre Solvenz, doch wer wirft schon freiwillig sein hart erkämpftes Geld aus dem Fenster?

Immerhin wissen Sie jetzt, dass Sie Ihre eigene Lobby in Bern haben. Über ein Lebenszeichen würde sich die Nationalrätin sicher freuen, schreibt sie doch offenherzig, dass sie Sie «bisher nie persönlich kennengelernt» hat.

 

Erschienen im Beobachter am 16. Mai 2008

Claude Chatelain