UBS: Zückerchen für unzufriedene Kunden

Nach den Milliarden-Abschreibern laufen der UBS die Kunden scharenweise davon. Zu Recht, wenn man die Konditionen anschaut – auch wenn es erste Schönheitskorrekturen gibt.

 

Zuerst auf den 28. März, dann auf den 15. April und jetzt auch noch auf den 25. April. Gleich dreimal innerhalb eines Monats erhöht die UBS die Zinssätze für Kassenobligationen, ohne dass sich das Zinsniveau in dieser Zeitspanne signifikant verändert hätte. Keine Frage: Die UBS hat eine Imageaufbesserung nötig. Ihr laufen die Kunden davon. Die Konkurrenz freuts: «Der Zustrom an neuen Kunden ist weiter anhaltend», sagt Franz Würth vom Raiffeisenverband. Und die Migros-Bank konnte im Februar die Zahl der Neukunden auf einen neuen Höchstwert steigern: 5730 waren es, 53 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Auch im März hielt der Trend an.

Jahrelang konnte es sich die UBS kraft ihrer Grösse leisten, unterdurchschnittliche Konditionen anzubieten. Dank den jüngsten Anpassungen gehört sie nun zumindest in gewissen Bereichen zu den Attraktiveren, so etwa für das Freizügigkeitskonto und das Konto 3a (siehe «Die wichtigsten Zinssätze im Überblick») – per 1. Mai gelten dort Zinssätze von 2,25 Prozent. Allerdings sind die Konditionen für Vorsorgekonti generell schlecht, auch bei der Konkurrenz: Für achtjährige Kassenobligationen gilt derzeit bei grösseren Banken ein Zinssatz von rund 3 Prozent. Vorsorgegelder bleiben oft viel länger unangetastet, werden jedoch tiefer verzinst.

 

Vorsorgefonds schneiden schlecht ab

 

Immer mehr Kunden lassen als Folge der schäbigen Rendite das Geld nicht mehr auf den Vorsorgekonten. Stattdessen kaufen sie Anlagefonds, die für das Vorsorgesparen konzipiert wurden. Solche Vorsorgefonds versprechen höhere Renditen. In diesem Bereich kann die UBS nach wie vor nicht mithalten: Im Vergleich zur Credit Suisse und Swisscanto, der Fondsgesellschaft der Kantonalbanken, liegen ihre Vorsorgefonds in allen Kategorien auf dem dritten Platz.

 

Überhaupt sind die Anlagefonds der UBS nicht überragend: Anfang März verlieh die Fondsrating-Agentur Morningstar die «Fund Awards 2008 Switzerland». In 18 Kategorien wurden die ersten drei prämiert. Unter den 54 Prämierungen ist die UBS nur einmal aufgeführt: Sarasin, Pictet, Swisscanto, Julius Bär oder Lombard Odier Darier Hentsch – alle haben sie mehr Fonds in die ersten Ränge gebracht als die grösste Fondsanbieterin der Schweiz.

 

Zahlen über Gebühr

 

Auch punkto Kosten ist die UBS wenig attraktiv. Keine andere Schweizer Bank verlangt für den Kauf und Verkauf von Schweizer Aktien so viel wie sie, nämlich 1,2 Prozent. Wird der Handel elektronisch abgewickelt, beträgt die sogenannte Courtage immer noch 0,95 Prozent. Bei Swissquote, Yellowtrade, Tradejet, Migros-Bank oder bei den Raiffeisenbanken kostet die gleiche Dienstleistung nicht halb so viel. Auch die Credit Suisse ist für Transaktionen bis 15000 Franken günstiger als die UBS.

 

Ähnlich die Situation bei den Depotgebühren: Während Postfinance die Verwahrung der via Yellowtrade gehandelten Wertschriften kostenlos betreibt, verlangt die UBS eine Grundgebühr von 0,2 Prozent. Auf ein Vermögen von 100000 Franken sind das immerhin 200 Franken. Darüber hinaus knöpft die Grossbank pro Posten zusätzliche 10 Franken ab. Ein Portefeuille mit Nestlé-, Novartis-, Swisscom-, CS- und ABB-Aktien trägt der UBS also weitere 50 Franken Jahresgebühren ein – dabei sollte ja ein Wertschriftendepot aus Risikoüberlegungen möglichst breit gestreut sein. Zum Thema Depotgebühren ist der UBS lediglich zugute zu halten, dass Credit Suisse und die Bank Coop ebenso teuer sind. Das allerdings ist kein schlagendes Argument, um die Kundenabwanderung zu stoppen.

 

Erschienen im BEOBACHTER am 2. Mai 2008

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Claude Chatelain