Visana ist wieder bei den Leuten

Der Berner Krankenversicherer Visana präsentierte sich gestern gut in Form. Der Versichertenbestand konnte auf den 1.Januar 2008 sowohl in der Grundversicherung wie bei den Zusatzversicherungen erhöht werden.

Die Prämie für die obligatorische Grundversicherung wird 2009 bei der Visana um maximal 2 Prozent steigen. So viel kann der Direktionsvorsitzende Peter Fischer heute schon sagen. Die Prognose ist nicht gewagt, denn der grösste Krankenversicherer im Kanton Bern sitzt auf einem üppigen Reservepolster. Für die obligatorische Grundversicherung beliefen sich die Reserven per Ende 2007 im Vergleich zu den Nettoprämien auf 18,2 Prozent. Zählt man die Taggeldversicherung laut Krankenversicherungsgesetz (KVG) noch hinzu, sind es sogar 21,7 Prozent. Bundesrat Pascal Couchepin möchte, dass die Reserven nach und nach bis auf 10 Prozent gesenkt werden. Sollten also die Kosten im laufenden Jahr stärker ansteigen als befürchtet, wird die Visana entsprechend mehr Reserven abbauen. Peter Fischer hofft jedoch, die Reserven langfristig nicht bis auf 10 Prozent senken zu müssen. 15 Prozent erachtet er als zweckmässig.

 

Wie man weiss, sind die Krankenkassenprämien in den vergangenen Jahren nur deshalb so moderat angestiegen, weil gleichzeitig die Reserven abgebaut werden mussten. Eine von Bundesrat Pascal Couchepin verordnete Massnahme, um gegen aussen den Anschein zu erwecken, die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen sei unter Kontrolle.

 

Tiefere Prämien für Ältere

 

Bei den freiwilligen Zusatzversicherungen konnte Peter Fischer gestern erneut eine Nullrunde ankündigen. Wobei die Prämien für die Spitalkostenzusatzversicherungen Privat und Halbprivat für die älteren Versicherten sogar sinken werden. Dies ist eine eher überraschende, aber auch erfreuliche Nachricht. Laut Fischer ist dies mit der zunehmenden Lebenserwartung zu erklären. Indem die Leute länger leben, zahlen sie auch länger Versicherungsprämien. Dank dieser wachsenden Prämieneinnahmen kann die Prämie pro Person gesenkt werden.

 

Auch nicht selbstverständlich ist die Tatsache, dass die Visana den Versichertenbestand erneut steigern konnte– nicht nur bei den Zusatzversicherungen, auch in der obligatorischen Grundversicherung. «Bezüglich Versichertenentwicklung ist uns der Turnaround definitiv gelungen», sagte Verwaltungsratspräsident Albrecht Rychen.

 

Man erinnert sich: 1998 hatte sich die Visana mit ihrer Grundversicherung aus acht Kantonen verabschieden müssen. Doch auch in den Kantonen, wo die Visana weiterhin aktiv war, hatte sie eine unvorteilhafte Versichertenstruktur zu verkraften, was sich in überdurchschnittlich hohen Prämien niederschlug. Dass die Kunden zu günstigeren Kassen wechselten, war die logische Folge davon. Nun steigt aber seit 2006 der Versichertenbestand auch in der Grundversicherung wieder an.

 

In der ganzen Schweiz aktiv

 

Vorgestern ist nun bekannt geworden, dass der Berner Krankenversicherer auch in den Kantonen Genf, Neuenburg, Jura, Glarus, Graubünden, Thurgau und in beiden Appenzell wieder als Anbieter der obligatorischen Grundversicherung auftreten möchte. Das Gesuch beim Bundesamt für Gesundheit ist noch hängig.

 

Gewinn: 40 Millionen

 

Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnte der Unternehmensgewinn um 1,8 Prozent auf knapp 40 Millionen Franken gesteigert werden. Doch im eigentlichen Versicherungsgeschäft hat die Visana rückwärts gemacht: Die Versicherungsleistungen übersteigen die Prämieneinnahmen. Die Combined Ratio – der Schaden- und Verwaltungsaufwand im Verhältnis zu den Prämieneinnahmen – lag für die Grundversicherung bei 102 und für die Zusatzversicherungen bei 105 Prozent. Das positive Unternehmensergebnis ist somit den Kapitalerträgen zu verdanken.

 

Wie Peter Fischer erklärt, liegt ihm nicht daran, eine Combined Ratio von unter 100 Prozent zu erzielen. Man will lieber moderate Prämien anbieten. Im Übrigen konnte die Visana im vergangenen Jahr die Rückstellungen erhöhen. Hätte sie darauf verzichtet, wäre der Gewinn höher ausgefallen – höher ausgefallen wäre damit auch die Steuerbelastung.

 

Erschienen in der BZ am 19. April 2008

Claude Chatelain