Als Genossenschaft gut in Fahrt

Der Mobiliar geht es gut. Trotz überdurchschnittlicher Elementarschäden kann sich das Geschäftsergebnis 2007 sehen lassen. Davon profitieren auch die Prämienzahler. Diesmal die kleineren und mittleren Unternehmen.

«Die Genossenschaft ist ein Auslaufmodell.» Solche und ähnliche Aussagen waren vor zehn Jahren en vogue. Es war jene Zeit, als die Börsenblase noch nicht geplatzt war, als Marktbeobachter dem Irrtum erlagen, Globalisierung und Internet würden sämtliche wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnisse über Bord werfen, als die ehrwürdige Genossenschaft mit dem Namen Rentenanstalt zur Aktiengesellschaft Swiss Life mutierte. Die Mobiliar mit Standort Bern musste sich damals wiederholt rechtfertigen, weshalb sie an der Genossenschaftsform festhalte.

 

Was nachher folgte, ist bekannt: Die Börsenblase platzte, zahlreiche Internetfirmen verschwanden wieder, und bei Swiss Life kam eine schwarze Kasse zum Vorschein. «Heute wird die Rechtsform der Genossenschaft überhaupt nicht mehr in Frage gestellt», bestätigte CEO Urs Berger gestern an der Medienkonferenz.

 

Nummer eins beim Hausrat


Auch der Geschäftserfolg der Mobiliar spricht für sich: So konnten im vergangenen Jahr erneut Marktanteile gewonnen und in der Hausratversicherung die Marktführerschaft ausgebaut werden. Die Bruttoprämieneinnahmen im Nichtlebengeschäft stiegen um 1,8 und im Lebengeschäft um 2,2 Prozent. Im Nichtlebenbereich ist die Mobiliar die drittgrösste Versicherungsgesellschaft in der Schweiz.

 

Die Combined Ratio, also der Schaden- und Verwaltungsaufwand im Verhältnis zu den Prämieneinnahmen, verschlechterte sich von 91,3 auf 94,6 Prozent. Urs Berger begründet dies mit den überdurchschnittlichen Elementarschäden und dem höheren Vertriebsaufwand. Wobei im Branchenvergleich eine Combined Ratio von 94,6 Prozent immer noch ein sehr guter Wert darstellt.

 

Die über die Jahre guten Resultate der Mobiliar wurden trotz oder womöglich dank der Rechtsform einer Genossenschaft erzielt. Für Urs Berger hat die Genossenschaftsform etliche Vorteile:

  • Man kann sich auf den Kunden konzentrieren und muss nicht auf Begehrlichkeiten von Aktionären Rücksicht nehmen.
  • Es gibt keinen Druck, in einem langfristig orientierten Geschäft alle Quartale positive Resultate zu präsentieren.
  • Man ist keinem Druck ausgesetzt, bei zu tiefer Eigenkapitalrendite das Kapital zu vernichten.

«Wären wir eine AG, müsste ich mich einen Tag pro Woche mit Fragen rund um die Investors Relations beschäftigen», sagt Urs Berger. Beim Finanzchef wären es noch mehr.

 

Kein Auslandabenteuer

 

Das Rechtskleid einer AG wäre dann von Vorteil, wenn das Unternehmen eine aggressive Wachstumsstrategie fahren würde und daher viel Kapital aufnehmen müsste. In einem gesättigten Markt macht dies jedoch keinen Sinn. Es sei denn, die Mobiliar möchte ins Ausland expandieren. Zu was eine forsche Wachstumsstrategie führen kann, zeigte in den 90er-Jahren Rolf Hüppi, als er mit der ehedem so stolzen Zürich-Versicherung einen Scherbenhaufen anrichtete.

 

Der Kunde ist Besitzer

 

Während bei einer AG der Aktionär am Geschäftsergebnis dank der Ausschüttung von Dividenden partizipiert, profitiert bei der Mobiliar der Kunde. So wird auch dieses Jahr ein Teil des Gewinns dem Prämienzahler gutgeschrieben. Vor zwei Jahren wurden Unternehmen begünstigt. Im vergangenen Jahr kamen Inhaber von Hausratpolicen in den Genuss einer Prämienreduktion. Dieses Mal sind die Klein- und mittleren Unternehmen (KMU) am Zug: 130000 KMU werden auf ihrer Prämienrechnung eine Reduktion von 20 Prozent erhalten.

 

Erschienen in der BZ am 16. April 2008

Claude Chatelain