So versichert man sich gegen Schäden beim Bau

Was, wenn die Baugrube einstürzt?
Was, wenn die Baugrube einstürzt?

Bauen ist teuer. Besonders teuer wird es, wenn Schäden eintreten und sich die Bautätigkeit verzögert. Dagegen kann man sich versichern. Doch bei Renovationen sind die einschlägigen Bauversicherungen nicht immer nötig.

Wer sich ein Haus baut oder grössere Renovationsarbeiten in Auftrag gibt, geht davon aus, dass Architekt, Baufirma und all die Handwerker die notwendigen Versicherungen abgeschlossen haben. Tritt nun ein Schaden ein, ist aber nicht immer klar, wen die Schuld trifft. Daher ist der Auftraggeber gut beraten, selber eine Bauherrenhaftpflicht- und Bauwesenversicherung abzuschliessen (Kasten).

 

Das klassische Beispiel ist der Albtraum eines jeden Bauherrn: Starke Regenfälle, Einsturz der Baugrube und dies erst noch am Hang. Wer ist schuld, der Architekt oder die Baufirma? Der Architekt könnte versucht sein, die Baufirma zu beschuldigen, weil er aus Kostengründen darauf verzichtet hat, für statische Berechnungen einen Experten beizuziehen. Es gibt ein Hickhack. Der Bau verzögert sich. Es wird alles noch viel teurer. Hier ist nun die Bauwesenversicherung gefragt: Sie wird das Geld vorschiessen, damit weiter gebaut werden kann.

 

Wer ein Haus bauen lässt, muss nicht lange überlegen: Er wird eine Bauherrenhaftpflicht- und eine Bauwesenversicherung abschliessen. Nicht ganz so eindeutig verhält es sich bei Renovationen.

 

Sechs Fallbeispiele:

  • Renovation des Badezimmers im frei stehenden Einfamilienhaus: Die Risiken sind überblickbar. Spezielle Bauversicherungen sind kaum notwendig. Hinzu kommt, dass bei selbst bewohnten Häusern bis maximal drei Wohnungen die Bauherrenhaftpflichtdeckung in der Privathaftpflichtpolice häufig integriert ist.
  • Erneuerung des Badezimmers in einer Altstadtwohnung: Was für das allein stehende Einfamilienhaus gilt, muss nicht auch für die Altstadtwohnung gelten. Altstadtwohnungen sind eng ineinander gebaut. Kommt die Nachbarwohnung zu Schaden, kann es teuer werden. Der Abschluss einer Bauhaftpflichtversicherung drängt sich auf.
  • Ersatz kaputter Ziegel eines frei stehenden Einfamilienhauses: Beim Einfamilienhaus mit Umschwung ist das Risiko klein, dass ein herunterfallender Ziegel jemanden verletzen kann, solange man die Kinder nicht im Garten spielen lässt. Die Bauherrenhaftpflichtversicherung ist nicht zwingend nötig. Grenzt aber das Haus an ein Trottoir oder einen Durchgang, ist die Bauherrenhaftpflichtversicherung ein Muss.
  • Fassadenrenovation eines Mehrfamilienhauses: Wo ein Gerüst erstellt werden muss, wird man um die Bauherrenhaftpflichtversicherung nicht herumkommen. Das Gefährdungspotenzial für Dritte ist hoch.
  • Totalrenovation der Eigentumswohnung: Die Gefahr ist gross, dass bei Bauarbeiten Schäden beim Nachbarn entstehen. Dies im Gegensatz zu selbst bewohnten Einfamilienhäusern. Beschädigt ein Arbeiter Bauteile, die nicht in der Sondernutzung eines Stockwerkeigentümers stehen, wird nur eine Bauwesenversicherung Deckung bieten. Personenschäden von Dritten müssten dagegen über eine Bauherrenhaftpflichtversicherung versichert werden.
  • Renovation der Mietwohnung mit Einwilligung des Vermieters: Durch den Mieter beschädigte Wände oder gespaltene Lavabos – sogenannte Mieterschäden – sind von der Privathaftpflichtversicherung gedeckt. Ist der Schaden hingegen durch einen Umbau entstanden, so wird die Privathaftpflicht den Schaden nicht zahlen. Es sei denn, der Schaden ist beim Nachbarn entstanden. Sollten auch allfällige Schäden beim Hauseigentümer gedeckt werden, ist der Abschluss einer Bauwesenversicherung erforderlich und auch sinnvoll.

 

 

Was ist sinnvoll?

Beim Bau eines Einfamilien- oder Ferienhäuschen wird der Besitzer eine Bauherrenhaftpflicht- und eine Bauwesenversicherung abschliessen. Die Wahrscheinlichkeit eines Schadens ist zwar nicht sehr gross. Doch das Schadenpotenzial ist enorm. Kommt zum Beispiel der Hang ins Rutschen, wird die Bauwesenversicherung den Schaden übernehmen. Und wird dabei auch das Nachbarhaus in Mitleidenschaft gezogen, so

zahlt die Bauherrenhaftpflicht. Es ist wie bei der Autoversicherung: Was beim Auto die Haftpflichtversicherung, ist beim Bauen die Bauherrenhaftpflicht. Was beim Auto die Vollkaskoversicherung, ist beim Bauen die Bauwesenversicherung.

 

Erschienen in der BZ am 8. April 2008


Claude Chatelain