Sportliche und Nichtraucher zahlen tiefere Prämien

Nicht nur Raucher zahlen höhere Prämien. Auch Dicke und Dünne werden bei der Mobiliar zur Kasse gebeten.

Raucher haben es schwer: Sie werden aus Flugzeugen, Zügen, öffentliche Bauten, Grossraumbüros und zunehmend aus Bars und Restaurants verbannt. Selbst am Münchner Oktoberfest soll künftig das Paffen verboten sein. Und dann müssen die Nikotin-Hungrigen für bestimmte Leistungen erst noch höhere Preise bezahlen als andere – etwa für Risikotodesfall-Versicherungen. Nach Angaben der «Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention Schweiz» sterben in der Schweiz jährlich mehr als 8000 Personen an den Folgen des Tabakkonsums. Durchschnittlich sterben Erwachsene, die rauchen, 13 bis 14 Jahre früher als Menschen, die rauchfrei leben. Bei den Männern gehen 90 Prozent aller Lungenkrebstodesfälle, bei den Frauen 80 Prozent auf das Konto Rauchen. Wer raucht, hat ein bis zu viermal grösseres Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben.

 

Ungesunde büssen


Die Antwort der Versicherer auf diesen statistischen Befund: Unterschiedliche Tarife für Raucher- und Nichtraucher. Doch die Risikoselektion macht nicht nur vor Rauchern Halt. Auch Dicke und Dünne leben ungesund, was sich ebenso in der Höhe der Prämie niederschlägt, zumindest bei der Mobiliar. Der Berner Versicherer, der bei den Risikotodesfall-Versicherungen mit einem Anteil von 23 Prozent mit Abstand Marktführer ist, hat vor zwei Jahren den sogenannten Risk-Preferred-Tarif eingeführt. Risk Preferred steht für bevorzugte Risiken. Man könnte den Tarif auch als Body-Mass-Tarif bezeichnen. Denn ein perfekter Body-Mass-Index zwischen 20 und 26 ist eine Voraussetzung, um in die Gunst dieses Vorzugstarifs zu kommen. Ferner muss man seit mindestens drei Jahren dem Rauchen abgeschworen haben. Man darf keinen gefährlichen Beruf ausüben und sollte in der Freizeit weder dem Flugsport noch dem Sporttauchen frönen.

 

Auch bei der «Zürich» wird laut darüber nachgedacht, bei der Prämienkalkulation auch auf den Body-Mass-Index abzustellen. Entgegen anders lautender Medienartikeln ist aber noch nichts entschieden, bestätigt «Zürich»-Sprecherin Sarah Soland. Auf Grund solcher Einschränkungen neigt man zur Vermutung, nur gerade die Crème de la Crème erfreue sich dieses Vorzugstarifs. Daniel Loup, Leiter Vorsorge bei der Mobiliar, schlägt solche Vermutungen in den Wind: «53 Prozent der Versicherten erhalten den günstigen Risk-Preferred-Tarif», sagt er. 35 Prozent zahlen den Normal- und 13 Prozent den Rauchertarif. «Nur Leute mit einer Risikosensibilität schliessen eine Lebensversicherung ab», meint Loup. Und ergänzt: «Wer für das Risiko eine Sensibilität entwickelt, lebt gesünder.» Axa Winterthur macht die gleiche Erfahrung: «Interne Auswertungen über alle Lebensversicherungsprodukte haben ergeben, dass der Anteil der erfassten Raucher bei zirka 10 Prozent liegt.» Dieser Anteil liegt weit unter dem gesamtschweizerischen Durchschnitt von rund 30 Prozent.

 

Zuschlag für Raucher


Stephan Walther von Roth, Gygax und Partner in Gümligen: «Wenn wir einen Kunden mit der Mobiliar vermitteln, dann zum Preferred-Risik-Tarif. Wer einen BMI von über 26 aufweist, fährt bei anderen Versicherern besser.» Das gilt auch für Raucher: Bei Einheitstarifen, wie sie etwa von Swiss Life angeboten werden, zahlen Raucher nicht mehr als Nichtraucher. Ein Swiss-Life-Sprecher lässt sich sogar zur Bemerkung hinreissen, das Kriterium Rauchen hätte allein «keinen grossen Einfluss auf die Sterblichkeit». Auch Axa Winterthur führt nur einen Einheitstarif, verlangt aber je nach dem für Raucher einen Zuschlag.

 

Knapp kalkulieren


Kein anderer Lebensversicherer geht bei der Risikoselektion so weit wie die Mobiliar. Das führt dazu, dass der Body-Mass-Tarif fast unschlagbar ist. Im Vergleich von «Info4Insider» aus Gümligen führt nur gerade Generali ein noch günstigeres Angebot. Allerdings sind die Italiener in diesem Segment ein Nobody. Ihre Stärke liegt bei den fondsbasierten Lebensversicherungen. Wie es scheint, will nun Generali auch bei den reinen Risikoversicherungen den noch kleinen Marktanteil vergrössern. Dies tut man, indem man sehr knapp kalkuliert.

 

 

 

INFOTHEK: Der Body-Mass-Index

Der Body-Mass-Index ist einfach zu berechnen: Das Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch die Körpergrösse hoch zwei. Beispiel: Ein 95 Kilogramm schwerer und 1,80 Meter grosser Mann hat einen BMI von 29,3. Dies ist das Resultat von 95 geteilt durch 3,24. Ideal ist ein

 

 

BMI zwischen 19 und 26. Menschen mit einem Body-Mass-Index von über 30 gelten gemäss der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als «krankhaft fettleibig». Bei der Mobiliar haben bereits Leute mit einem BMI von über 26 höhere Prämien in Kauf zu nehmen.


INFOTHEK: Drei verschiedene Versicherungstypen

Reine Risikotodesfallversicherungen sind in unterschiedlicher Form zu haben. Die gängigste ist die Todesfallversicherung mit konstanter Versicherungssumme.

 

Man kann aber auch Verträge mit einer abnehmenden Versicherungssumme abschliessen. Das macht Sinn: Mit zunehmen-

dem Alter und dem Heranwachsen der Kinder nimmt der Nutzen einer Lebensversicherung ab.

Der dritte Typ nennt sich einjährige Todesfallversicherung mit steigender Prämie. Während die erstgenannten Versicherungs-modelle eine feste Laufzeit mit einer vorgege-

benen Prämie aufweisen, wird die Prämie beim einjährigen Modell jedes Jahr dem Alter des Versicherten angepasst.

 

Erschienen in der BZ am 25. März 2013


Claude Chatelain