Standpunkt: Kriminelle Hände

Um ganze 11 Prozent ist der Kurs der CS-Aktie vorgestern in den Keller gesaust, nachdem Konzernchef Brady Dougan erklärt hatte, im ersten Quartal 2008 gebe es womöglich keinen Gewinn; vielleicht gebe es einen Verlust.

Diese Meldung allein vermag den Kurssturz nicht zu erklären, auch wenn sich die Aktie erholte und «nur» um 6,4 Prozent im Minus schloss.

 

Alarmierend ist die Ursache: Für die Abschreibungen soll nämlich nur eine kleine Gruppe von Händlern verantwortlich sein. Sie hatten gezielt falsche Preise in ihre Tagespositionen eingesetzt. Und dann sagte doch Brady Dougan, die Kontrollinstanzen treffe keine Schuld. Für die falschen Preisstellungen seien allein die Händler verantwortlich.

 

Bitte sehr: Es ist wohl keine neue Erkenntnis, dass Menschen zu kriminellen Taten neigen – vor allem wenn viel Geld auf dem Spiel steht. Wenn es also möglich sein soll, die Kontrollinstanzen mit Milliarden Franken zu hintergehen, so liegt das Problem bei der Kontrolle und nicht bei den Händlern.

 

Sollte die Kontrolle von Händlern tatsächlich ein Ding der Unmöglichkeit sein, so ist es höchste Zeit, sich von solchen (unkontrollierbaren) Geschäften zu verabschieden. Eine funktionierende Realwirtschaft ist auf ebenfalls funktionierende Kreditbanken angewiesen. Auf Investmentbanken mit der Geschäftspraxis eines Casinos können wir dagegen verzichten.

 

Erschienen in der BZ am 22. März 2008

Claude Chatelain