Der UBS-Verwaltungsrat versagt

Die Anträge des UBS-Verwaltungsrates für die ordentliche GV vom 23.April kommen mit der Zuckerbrot-Peitsche-Methode daher. Das Zuckerbrot ist der Antrag, die Amtsdauer von Verwaltungsräten von drei Jahren auf eins zu reduzieren. Dies entspricht einer modernen Corporate Governance. Die UBS wurde in der Öffentlichkeit derart gebeutelt, dass sie etwas tun musste.

Die Peitsche ist der Antrag, Marcel Ospel wiederzuwählen. Just jenen Mann also, der die Hauptverantwortung an der Misere trägt. Ob Ospel aus Gier, Selbstüberschätzung oder Verantwortungsbewusstsein im Amt bleiben will, interessiert kaum mehr. Tatsache ist, dass der Verwaltungsrat nicht in der Lage ist, eine valable Nachfolge zu präsentieren. Die Verwaltungsratsmitglieder haben es bisher verstanden, sich aus der Schusslinie zu nehmen, obschon der Präsident nicht die alleinige Verantwortung für die Misere trägt.

 

Nun übernehmen Sergio Marchionne und Peter Voser zusätzliche Aufgaben. Es sind die besten Pferde im Stall. Beide verfügen über einen hervorragenden Leistungsausweis, freilich nicht im Bankwesen. Die UBS braucht nicht nur einen neuen Präsidenten; sie braucht vor allem auch Verwaltungsräte mit einem Leistungsausweis im internationalen Banking.

 

Erschienen in der BZ am 22. Februar 2008

Claude Chatelain