Aktionäre warten noch immer auf ein Übernahmeangebot

Intersport-Aktionäre erhalten dank Nennwertreduktion 25 Franken pro Aktie – steuerfrei. Doch sie hätten lieber eine Offerte.

Wenn börsenkotierte Firmen den Jahresabschluss-Stichtag verändern, geschieht dies häufig, um einen Zahlenvergleich mit der Vorjahresperiode zu verschleiern. Unter diesem Verdacht steht auch der Sportartikelhändler Intersport in Ostermundigen: Statt Ende April wird seit 2007 das Geschäftsjahr Ende September abgeschlossen. CEO Stephan Ruggle weist solche Spekulationen in den Wind. Ein Geschäftsabschluss per Ende September entspreche dem Branchenbedürfnis. Ausserdem habe Intersport die Liegenschaft in Ostermundigen verkauft und die Immobiliengesellschaft Intersport Management AG mit der Intersport Holding fusioniert. Zwei ausserordentliche Massnahmen, die ebenfalls das Betriebsergebnis verfälschten.

 

Kein Übernahmeangebot

 

Als Folge der verhältnismässig hohen Eigenkapitalquote von 68 Prozent schlägt der Verwaltungsrat der Generalversammlung von heute Dienstag eine Reduktion des Nennwertes von 47 auf 22 Franken pro Aktie vor. Damit werden dem Aktionär 25 Franken pro Aktie ausbezahlt – steuerfrei. 91 Prozent der Intersport-Aktien sind im Besitz von Verwaltungsratspräsident Nicholas Berry. Er erhält damit gut 10 Millionen Franken ausbezahlt. Der Rest verteilt sich auf rund 500 Aktionäre. Diese hätten wohl lieber ein gerechtes Übernahmeangebot erhalten.

 

Kommt hinzu, dass die beantragte Statutenänderung auch sonst für Verwirrung sorgt. Da ist nämlich noch von der Schaffung von bedingtem Aktienkapital die Rede, wobei das Bezugsrecht der Aktionäre ausgeschlossen ist. Bezugsberechtigt sind der Verwaltungsrat und das Management. Weshalb wird wohl bedingtes Aktienkapital geschaffen, wenn gleichzeitig mit der Nennwertreduktion das Aktienkapital herabgesetzt wird? «Es riecht alles nach billigem Auskauf der bestehenden Minderheitsaktionäre», beklagt sich Werner C. Hug, früherer FDP-Stadtrat und einer der 500 Aktionäre.

 

Stephan Ruggle korrigiert das Missverständnis. «Es wird kein zusätzliches bedingtes Aktienkapital geschaffen», sagt der CEO. Das bedingte Aktienkapital bestehe bereits. Jetzt gehe es lediglich darum, die Statuten anzupassen, da auch der Nennwert des bestehenden bedingten Aktienkapitals reduziert werden muss. Ruggle gibt zu, dass die Formulierung in der Statutenänderung zu Missverständnissen führen kann.

 

Warum kein Going-private?

 

Stellt sich die Frage, weshalb sich der Sportartikelhändler den Luxus einer Börsenkotierung noch leistet. Keine 10 Prozent der Aktien befinden sich im Umlauf. Der Handel ist illiquid. Ferner unterliegen börsenkotierte Unternehmen strengen Rechnungslegungsvorschriften, was teuer zu stehen kommt. «Die Frage eines Going-private stellen wir uns alle Jahre», bestätigt Stephan Ruggle. Und jedes Mal kommt der Verwaltungsrat zum Schluss, zumindest vorläufig an der Börsenkotierung festzuhalten. Man wisse nie: «Vielleicht brauchen wir in ein paar Jahren Kapital. Da kann die Börsenkotierung von Vorteil sein.»

 

Erschienen in der BZ am 19. Februar 2008

Claude Chatelain