Unternehmenssteuern: Nicht bestrafen, wer die Firma rettet

Wenn ein Unternehmer seine Firma vor dem Konkurs rettet, wird er für diese Tat vom Steuervogt bestraft. Die Unternehmenssteuerreform, über die das Schweizervolk am 24.Februar abstimmt, sieht hier eine Verbesserung vor.

Man stelle sich vor: Eine Familien-AG steht kurz vor dem Konkurs. Also steckt der Alleininhaber von seinem privaten Vermögen 500000 Franken in die Firma. Jahre später geht es dem Unternehmen wieder gut. Der Besitzer möchte daher zumindest einen Teil seines zur Firmenrettung eingesetzten Vermögens wieder herausnehmen. Grundsätzlich ist das kein Problem. Nur hat dies die unangenehme Begleiterscheinung, dass der Inhaber das damals zur Not eingesetzte Geld nun als Einkommen zu versteuern hat, sobald er es wieder aus der Firma herausnimmt. Dies wegen des sogenannten Nominalwertprinzips, wie es beim Bund wie auch im Kanton Bern angewandt wird.

 

Die Banken im Nacken

 

Sollte das Schweizervolk der Unternehmenssteuerreform zustimmen, würde diese Ungerechtigkeit beseitigt. Allerdings hätte der Patron den steuerlichen Nachteil unter Umständen auch anders lösen können: Statt das Geld als Zuschuss einzulegen, könnte er mit seinem Privatvermögen seiner Firma ein Darlehen gewähren. Falls er sich ein paar Jahre später das Darlehen zurückzahlt, fällt keine Einkommenssteuer an. Leider hat auch dieser Mechanismus einen Haken: Kleinunternehmen mit einer dünnen Kapitaldecke haben die Banken im Nacken. Diese werden eine echte Sanierung verlangen, sodass das Eigenkapital aufgestockt werden muss. Mit dem Darlehen lässt sich das nicht bewerkstelligen. Im Gegenteil: Es erhöht zumindest buchmässig das Fremdkapital.

 

Wehe, wenn Krach droht

 

Für Michael Kistler der Berner Treuhandfirma Gfeller+Partner manifestiert sich dieser steuerliche Nachteil in der Regel auch dann, wenn sich der Partner einer Firma auszahlen lässt. Vereinfachtes Beispiel: Eine Person besitzt eine AG mit einem Aktienkapital von 100000 und Reserven von 900000 Franken. Wenn sich nun ein gleichberechtigter Partner einkaufen will, muss er im Prinzip eine Million in die Firma einschiessen, die sich zur Wahrung analoger Rechte auf 100000 Franken Aktienkapital und 900000 Franken Aufgeld, auch Agio, verteilt. Sollten sich die beiden verkrachen, so lässt sich der eine Partner wieder auszahlen. Die 100000 Franken Aktienkapital kann er steuerfrei beziehen; das Agio von 900000 Franken wird er als Einkommen versteuern müssen. Dies als Folge des Nennwertprinzips, indem nur der Nennwert, eben das Aktienkapital, steuerfrei bezogen werden kann. «Das Nennwertprinzip ist sachlich falsch», meint Michael Kistler. Materiell befriedigender ist das Kapitaleinlageprinzip, wie es in der Unternehmenssteuerreform vorgesehen ist und zum Beispiel bereits im Kanton Zürich gilt. Demnach ist nicht nur das einbezahlte Aktienkapital, sondern jede nachweisbar von den Aktionären getätigte Kapitaleinlage steuerfrei rückzahlbar.

 

Im Kanton Bern hingegen gilt das Nennwertprinzip. Wird die Unternehmenssteuerreform auf Bundesebene angenommen, muss spätestens innert zweier Jahre auch hier das Nennwert- durch das Kapitaleinlageprinzip abgelöst werden. Einige Bestimmungen des neuen Gesetzes über die direkte Bundessteuer werden nämlich auch im Steuerharmonisierungsgesetz übernommen. Und was im Harmonisierungsgesetz verankert ist, haben die Kantone zu übernehmen.

 

Erschienen in der BZ am 18. Februar 2008

Claude Chatelain