Die UBS muss günstiger werden

Eine der wichtigsten Fragen wurde gestern an der Medienkonferenz der UBS nicht beantwortet – konnte nicht beantwortet werden. Die Frage, wieweit der Reputationsschaden des Investmentbankings aufs Private Banking übergreift. Die offizielle Antwort ist frühestens in einem halben Jahr zu erwarten.

Inoffiziell darf man schon heute behaupten, dass der UBS zumindest in der Schweiz die Kunden davonlaufen, wie immer die Grossbank das mit kreativer Bilanztechnik zu vertuschen versteht. Schweizer Banken, welche vom risikoträchtigen Investmentbanking die Finger lassen, vermelden einen deutlichen Anstieg neuer Kundenbeziehungen.

 

Dazu gehört auch die Genfer Privatbank Pictet. Nicolas Pictet, einer der Partner, sagte in einem Interview: «Als Kunde wäre mir wohler, dem Besitzer der Bank gegenüberzusitzen, der die Verantwortung trägt und keinem kurzfristigen Druck ausgesetzt ist.» Insbesondere Grosskunden werden ihm beipflichten.

 

Auch für Kleinsparer ist nicht mehr einzusehen, weshalb sie ausgerechnet die UBS wählen sollten: Die Grossbank verrechnet überdurchschnittliche Gebühren und zahlt unterdurchschnittliche Zinsen. Warum soll ich mich auf dem langfristig angelegten Konto 3a mit schäbigen 2 Prozent Zins begnügen, wenn ich bei der Migrosbank, der BEKB oder auch bei der CS mehr erhalte? Warum soll ich bei der UBS eine dreijährige Kassenobligation zu 2,25 Prozent zeichnen, wenn ich bei der Valiant 2,5 Prozent erhalte? Bei den Anlagefonds gehört die UBS selten zu den besten. Und im Hypothekargeschäft bietet sie die beliebte variable Hypothek nur auf Anfrage an und führt stattdessen als einzige Schweizer Bank die Portfoliohypothek, ein schwer durchschaubares Produkt.

 

Dank ihrer Grösse und ihres guten Rufs konnte es sich die UBS bisher leisten, teurer zu sein als die andern. Gross ist sie immer noch, doch der Ruf ist ramponiert. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss sich die UBS einiges einfallen lassen – nicht nur im Investmentbanking, auch im Privatkundengeschäft.

 

Erschienen in der BZ am 15. Februar 2008

Claude Chatelain