Die lausigen Zinsen sind unverschämt

Freizügigkeitskonti der beruflichen Vorsorge (2. Säule) und die Konti 3a der privaten Vorsorge (3. Säule) sind steuerlich begünstigt. Dies ist der grosse Vorteil. Der Nachteil: Sie werfen mickrige Zinsen ab.

«Sollte eine Bank für das Freizügigkeitskonto einen Zins über 1,5 Prozent bezahlen - bitte melden.» Das schrieb ich in meiner Kolumne vom 31. Januar. In der Tat haben sich darauf zwei Institute gemeldet: Die BBO Bank Brienz Oberhasli zahlt 1,75 Prozent. Die Bank EEK in Bern sogar 2 Prozent. Doch bei den meisten anderen Banken beträgt der Zins beim Freizügigkeitskonto 1,5 Prozent oder noch weniger.

 

Noch schlimmer ist, dass es häufig auch beim Konto 3a der privaten Vorsorge bloss 1,5 Prozent Zins gibt. Während nämlich das Freizügigkeitskonto der beruflichen Vorsorge häufig ein «Durchlauferhitzer» ist und dadurch die Bank mit administrativer Arbeit belastet, bleibt das Geld auf dem Konto 3a jahrelang liegen. Für die Bank also ein Bombengeschäft.

 

Es ist nicht einzusehen, weshalb die Banken für fünfjährige Kassenobligationen 2,5 Prozent Zins zahlen können und die Inhaber mit 3a-Konti mit läppischen 1,5 Prozent abgespiesen werden. Löbliche Ausnahme: Die WIR-Bank zahlt (noch) 2,25 Prozent.

 

Würden die Konti 3a gleich verzinst wie die Terminsparkonten, was man eigentlich erwarten dürfte, hätten wir Sparer laut Schätzungen von «Cash» 250 Millionen Franken mehr in der Kasse. Stattdessen bleiben die Millionen in der Bank und sorgen für üppige Margen.

 

Spielt es überhaupt eine Rolle, ob das Kapital zu 1,5 oder zu 1,75 Prozent verzinst wird? Wenn Sie alle Jahre 6000 Franken aufs Konto 3a überweisen, haben Sie nach 30 Jahren bei einem «Viertelchen» mehr Zins 10000 Franken mehr in der Kasse. Anders gesagt: Bei der WIR-Bank haben Sie nach 30 Jahren 258868 Franken angespart, bei der UBS bloss 228611 Franken.

 

Erschienen im BLICK am 14. Februar 2007

Claude Chatelain