Chatelain rät: Gibt es beim Sparen 3a eine Kündigungsfrist?

Frage: Immer wieder ist zu lesen, man soll das Guthaben auf dem Konto 3a zu der Bank mit dem höchsten Zins transferieren. Das wollte ich tun. Nun erklärte mir die Berner Kantonalbank (BEKB), die Kündigungsfrist betrage ein Jahr. Ich kann das fast nicht glauben. Was ist Ihre Meinung dazu? W. W., Bern

 

Antwort: Ich hielt es auch nicht für möglich. Doch der Sprecher der Berner Kantonalbank belehrte mich eines Besseren. Er bestätigte, dass bei der BEKB eine Kündigungsfrist von einem Jahr gelte. Ich hatte nach dieser überraschenden Antwort flugs bei anderen Banken nachgefragt. «Wir kennen keine Kündigungsfrist für 3a-Konten. Die Bearbeitung dauert in der Regel zehn Arbeitstage», erklärt mir die UBS. Auch Migros Bank, Bank Coop, WIR-Bank, ZKB sowie die Luzerner Kantonalbank kennen beim Transfer von 3a-Guthaben keine Kündigungsfristen. Wie erklärt demnach die BEKB ihre kundenfeindliche Praxis? Dazu BEKB-Sprecher Hans Peter Merz: «Wir gehen davon aus, dass die Sparen-3-Gelder eine langfristige Anlage sind. Darum zahlen wir einen höheren Zinssatz als bei anderen Sparkonten, haben dafür aber auch eine Kündigungsfrist.» Doch der Sprecher zeigte sich erstaunt über die Tatsache, dass die Konkurrenz keine Kündigungsfristen kennt und stellte in Aussicht, diese Politik zu überprüfen.

 

Ich selber bin auch erstaunt, wenn ich lese, mit welchen Worten Ihre Beraterin Sie von einem Wechsel abzuhalten versucht. Sie schreibt in einem Mail: «Ich mache mir bei Banken, die mehr als 2 Prozent Zins gewähren, Gedanken, weshalb sie dies in der heutigen Zinssituation machen. Da stellt sich die Frage, ob dieses Finanzinstitut mit Liquidationsproblemen oder Ähnlichem zu kämpfen hat. Denn es ist uns bekannt: je höher der Zins, desto grösser das Risiko!»

Nimmt man diese Worte zum Nennwert, müsste man auch die Liquidität der Berner Staatsbank in Zweifel ziehen. Für zweijährige Kassenobligationen zahlt sie einen Zins von 2,5 Prozent. Im Vergleich dazu bleibt das Geld auf dem 3a-Konto viel länger liegen und würde also einen noch höheren Zins rechtfertigen.

 

Ich selber mache mir um die Liquidität keine Sorgen: Die BEKB erfreut sich eines regen Zuspruchs neuer Kunden. Der UBS sei Dank.

 

Erschienen im BLICK am 9. Februar 2008

Claude Chatelain