Wo die KMU wirklich profitieren

Hans Jürg Steiner, KPMG
Hans Jürg Steiner, KPMG

Bei der Unternehmenssteuerreform geht es nicht nur um die Dividendenbesteuerung. Gerade für KMU sind dringendere Anpassungen angesagt. Zu denken ist etwa an die Entlastungen beim Liquidationsgewinn.

Beobachter des laufenden Abstimmungskampfes könnten den falschen Eindruck gewinnen, bei der Unternehmenssteuerreform sei lediglich über die Teilbesteuerung der Dividende zu befinden. Weit gefehlt: Gut zehn verschiedene Anpassungen stehen zur Debatte: «Ein zentrales Element der Unternehmenssteuerreform ist die Entlastung bei der Besteuerung der Liquidationsgewinne», sagt Hans Jürg Steiner, Leiter der Steuerabteilung bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG in Gümligen.

 

Beispiel eines Architekten

 

Hans Jürg Steiner skizziert folgendes Beispiel: Ein Architekt führt irgendwo in der Stadt Bern ein Architekturbüro. Mit Alter 60 will er seine Einzelfirma an einen langjährigen Mitarbeiter verkaufen, wobei die Liegenschaft nicht mit dem restlichen Betrieb verkauft werden soll. Sie bleibt im Eigentum des Architekten. Das heisst, die Liegenschaft wird vom Geschäftsvermögen ins Privatvermögen überführt. Nun das Problem: Der dadurch erzielte Gewinn inklusive der stillen Reserven ist beim Bund als Einkommen zu versteuern.

 

Neue Berechnung

 

Angenommen, der Architekt bezahlte für die Liegenschaft 1500000 Franken. Nach Abschreibungen ist das Gebäude in der Buchhaltung noch mit einem Einkommenssteuerwert von 1000000 Franken aktiviert. Der heutige Verkehrswert hingegen beträgt 1800000 Franken. Nach geltendem Recht ist auf Bundesebene die Differenz des Einkommenssteuerwertes und des Verkehrswertes als Einkommen zu versteuern. Diese 800000 Franken sind steuerbares Einkommen, also unterliegen sie auch der AHV. Dies mit der unsympathischen Nebenerscheinung, dass auf diesem Betrag noch 9,5 Prozent der AHV abzuliefern sind, immerhin 76000 Franken.

 

Stimmt der Souverän am 24.Februar der Unternehmenssteuerreform zu, ist nicht mehr die Differenz zwischen Einkommenssteuerwert und dem höheren Verkehrswert, sondern zwischen dem Einkommenssteuerwert und dem tieferen Anschaffungswert zu versteuern. Im vorliegenden Beispiel werden also nicht mehr 800000, sondern nur noch 500000 Franken als Einkommen versteuert. Mit anderen Worten: Es würden nur noch die Abschreibungen versteuert, während nach geltendem System auch die nicht realisierten stillen Reserven zu versteuern sind. Damit sind der AHV nur noch 47500 statt 76000 Franken abzuliefern. Erst bei einem späteren Verkauf der Liegenschaft müssten laut neuem Recht auch die stillen Reserven versteuert werden.

 

Steuerersparnis: Fr.67000.–


Wie Hans Jürg Steiner vorrechnet, wird der Architekt vor Einführung der Unternehmenssteuerreform für die geschilderte Transaktion insgesamt 299934 an direkter Bundessteuer, Kantons- und Gemeindesteuern sowie an AHV-Beiträgen bezahlen. Nach Inkrafttreten der Reform wären es noch 232608 Franken; 67326 Franken weniger.

 

Nicht nur Bundessteuer

 

Einzelne Bereiche der anstehenden Unternehmenssteuerreform werden auch im Steuerharmonisierungsgesetz (StHG) aufgenommen, so auch die eben geschilderte Entlastung der Liquidationsgewinne.

 

Damit werden die Unternehmer nicht nur bei der direkten Bundessteuer, sondern auch bei den Staats- und Gemeindesteuern entlastet, welche ungleich stärker zu Buche schlagen. Das wird die Unternehmer in Solothurn und Freiburg freuen. Im Kanton Bern hingegen wird sich wegen der besonderen Ausgestaltung der Grundstückgewinnsteuer nichts ändern. Der Architekt gemäss dem geschilderten Beispiel wird also bereits heute bei der Staats- und Gemeindesteuern «nur» 500000 Franken Einkommen versteuern müssen.

 

Erschienen in der BZ am 4. Februar 2008

Claude Chatelain