Chatelain rät: Soll ich mich von der UBS abwenden?

Frage: Ich bin sehr beunruhigt über die Situation bei der UBS. Ich habe dort die Hypothek, das Wertschriftendepot und auch das Konto 3a. Ich habe das Vertrauen in diese Bank total verloren. Raten Sie, die Bank zu wechseln? D. N., Oerlikon ZH

 

Antwort: Wenn Sie sagen, Sie hätten das Vertrauen in die UBS total verloren, dann haben Sie die Antwort auf Ihre Frage schon selber gegeben. Vertrauen ist das höchste Gut einer Bank. Ich bin auch sehr beunruhigt. Vor allem wegen des Image-Schadens, den der Schweizer Bankenplatz durch das unverantwortliche Gebaren der UBS unter ihrem Chef Marcel Ospel erleidet.

 

Um Ihr Vermögen brauchen Sie nicht zu bangen. Für die Hypothek haben Sie der Bank kein Geld anvertraut. Umgekehrt: Sie haben von der Bank Geld erhalten. Das Wertschriftendepot wäre bei einem Kollaps nicht betroffen, solange es sich um Wertschriften handelt, bei welchen die UBS nicht Schuldner ist. Anders verhält es sich bei Kassenobligationen und strukturierten Produkten: Hier handelt es sich um Schuldverschreibungen. Gerät die Bank, die solche Papiere verkauft, in Schwierigkeiten, kann das Geld weg sein.

 

Was schliesslich das Konto 3a und die übrigen Sparanlagen betrifft, so sind bis 30000 Franken konkursrechtlich privilegiert. Zudem würden bei einem Engpass eines Instituts die anderen Banken einspringen und die Kleinsparer bis zu einem Betrag von 30000 Franken pro Person - nicht pro Konto - sofort entschädigen.

 

Sie sollten sich grundsätzlich fragen, ob die UBS die richtige Bank ist für Sie. Die Gebühren sind überdurchschnittlich hoch, die Sparzinsen unterdurchschnittlich tief. Unterdurchschnittlich ist auch die Performance ihrer Aktienfonds. Es gibt für mich nur einen plausiblen Grund, weshalb man die UBS als Hausbank wählt: den Berater oder die Beraterin. Falls Sie bisher gut beraten wurden, würde ich an Ihrer Stelle nicht wechseln. Ich persönlich finde, man muss sich in einem Beratungsgespräch wohl fühlen. Wenn dem nicht so ist, sollte man sich einen anderen Berater aussuchen.

 

Aber eben: Sie sagen ja selber, Sie seien beunruhigt. Wenn man beunruhigt ist, kann man sich nicht wohl fühlen.

 

Erschienen im BLICK am 2. Februar 2008

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Claude Chatelain