Lauter Ruf nach strengeren Regeln

Die UBS weist für 2007 einen Rekordverlust von 4,4 Milliarden Franken aus. Verursacht wurde er von ein paar Händlern aus den USA. Manche sähen es gern, die UBS würde sich vom Investmentbanking trennen.

Dass die UBS gestern den Abschreibungsbedarf ein weiteres Mal nach oben korrigierte, vermochte die Finanzwelt nicht mehr zu erschüttern. Und sie wird auch nicht erstaunt sein, wenn künftig weitere Abschreibungen anfallen, bestätigt ZKB-Chefanalyst Marco Curti. Die UBS-Aktie verlor gestern bloss 1,6 Prozent.

 

Der Rekordverlust von 4,4 Milliarden Franken wirft die Frage auf, ob das Investmentbanking abgestossen werden sollte. «Wenn die UBS gefährdet ist, dann allein wegen des Investmentbankings», sagt Herbert Brändli von der Profond-Vorsorgestiftung. «Ich würde es begrüssen, wenn sich die Bank von diesem riskanten Geschäft verabschiedet.» Brändli wird auch an der kommenden Generalversammlung der UBS seinen Auftritt haben. Profond will eine ordentliche Kapitalerhöhung, bei welcher nicht nur Staatsfonds, sondern auch die bisherigen Aktionäre gleichwertig teilhaben können.

 

Ruf nach strengeren Regeln


Mit der Abspaltung des Investmentbankings läge die UBS im Trend: Die Privatbanken Pictet, Lombard Odier, Julius Bär und Sarasin haben ihre Investmentbanking-Aktivität verkauft oder abgetrennt. Auch bei der Société Générale ist die Abspaltung des Investmentbankings ein Thema. Die französische Grossbank wurde dank einer miserablen Risikokontrolle eben erst um 8 Milliarden Franken erleichtert.

 

Laut «Financial Times» ertönt insbesondere in den USA der Ruf nach strengeren Regeln. Manche wünschen sich sogar die «Glass-Steagall-Act» zurück. Laut diesem Gesetz durften Banken, welche Spargelder entgegennahmen, nicht mit Wertschriften handeln. Das Gesetz trat 1933 in Kraft. Dies als Antwort auf die grosse Depression und den Börsencrash von 1929, für welche die Bankiers der Wallstreet verantwortlich gemacht wurden. Das sogenannte Trennbankensystem, welches auf Initiative von Senator Carter Glass und dem Abgeordneten Henry Steagall zurückgeht, wurde zunehmend durchlöchert, bis es Präsident Bill Clinton total ausser Kraft setzte.

 

Gegensätzliche Kulturen

 

Wie Marco Curti von der ZKB erklärt, herrschen in der Vermögensverwaltung und im Investmentbanking völlig gegensätzliche Kulturen: Die klassische Vermögensverwaltung ist langfristig ausgerichtet, operiert mit wenig Eigenkapital und ist verschwiegen. Im Investmentbanking ist es gerade umgekehrt.

 

Völlig unterschiedlich ist auch die Entlöhnung: Im Investmentbanking locken horrende Boni. Allerdings nur dann, wenn auch Gewinne eingefahren werden. Gibt es hingegen Verluste zu beklagen, sind diese nicht von den Verantwortlichen zu tragen. Doch immerhin – tröstlich – gibts dann auch keine Boni.

 

Fragliche Synergien


Walter Kielholz, Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse Group, will von einer Trennung von Investment- und Privatbanking nichts wissen. In einer Fernsehdiskussion verwies er am Dienstagabend auf die Synergien, welche beide Bereiche ergeben. Doch für Rainer Skierka von der Bank Sarasin ist es für Aussenstehende enorm schwierig abzuschätzen, ob solche Synergien tatsächlich bestehen.

 

Ebenfalls ist noch unklar, wie lange sich Verwaltungsratspräsdent Marcel Ospel noch in seinem Amt halten kann. Dies dürfte davon abhängen, wie weit der Reputationsschaden das übrige Bankgeschäft tangiert. «Es gibt bisher noch keine Anzeichen, die bestätigen würden, dass das Privatbanking unter dem Reputationsschaden leidet», sagt Rainer Skierka.

Dafür scheint klar zu sein, dass die UBS-Fonds in der Gunst der Kunden sinken. Die UBS verliert laufend Marktanteile. Gemäss dem Fondsanalyse-Haus Lipper flossen im zurückliegenden Jahr 16 Milliarden Franken aus UBS-Fonds ab. Demgegenüber erfreut sich Pictet eines Zuflusses von 12,7 Milliarden Franken. Wobei kaum anzunehmen ist, dass dies mit der jüngsten Krise zusammenhängt. Der Aderlass könnte ebenso mit dem mässigen Renditeausweis der UBS-Fonds zu erklären sein.

 

 

KOMMENTAR: Arme UBS

Die Angestellten der UBS in der Schweiz müssen einem leidtun. Sie müssen beschwichtigen, Kunden beruhigen und für etwas geradestehen, wofür sie nichts können. Sie machen einen guten Job nach diskreter Bankermanier und haben ein Gehabe zu verteidigen, das nicht das Ihre ist.

 

Mächtig aufregen müssen sich auch die klassischen Vermögensverwaltungsbanken. Wenn die UBS als grösste Schweizer Bank wegen ein paar verwegener Händler – in der Militärsprache «unguided missiles» – ins Wanken gerät, schadet das dem gesamten Bankenplatz Schweiz. Privatbankiers aus Genf, die zum Teil noch mit ihrem eigenen Vermögen für ihre Bank haften, haben ihren Unmut bereits kundgetan.

Diese Probleme liessen sich vermeiden, wenn solche riskanten Geschäfte schon gar nicht betrieben würden. Kein Wunder, dass der Ruf erschallt, Investment- und Privatbanking zu trennen, wie das in den USA lange Jahre gesetzlich vorgeschrieben war.

Mit einem freiwilligen Verzicht aufs Investmentbanking ist jedoch kaum zu rechnen. Zu üppig sind die Boni, die sich dort verdienen lassen. Boni, von welchen nicht nur die Händler, sondern auch die obersten Chefs profitieren.

 

Erschienen in der BZ am 31. Januar 2008


Claude Chatelain