Schweizer sind nicht top

UBS, Credit Suisse und Swisscanto sind die mit Abstand grössten Fondshäuser der Schweiz. Spitze sind sie aber nur in der Quantität, im Renditevergleich schneiden sie eher schlecht ab.

Wer vor fünf Jahren Anteile des CS Equity Fund (EF) USA kaufte, machte zumindest laut Lehrbuch alles richtig: Der Fonds ist breit diversifiziert, schon seit 1991 auf dem Markt, kommt auf ein ansehnliches Volumen von 477 Millionen Dollar und orientiert sich am renommierten Börsenindex S&P-500. Und doch wird kein Anleger mit diesem Produkt glücklich sein: Von 156 vergleichbaren Aktienfonds rangiert besagter CS-Fonds abgeschlagen auf Rang 141. Trotz zurückliegender Börsenhausse vermochte er in fünf Jahren bloss um 18 Prozent zuzulegen. Der Swisscanto Continental EF North-America erzielte eine doppelt so hohe Rendite und liegt gemessen an der Fünfjahresrendite ziemlich genau in der Mitte der 156 USA-Aktienfonds, die von der Fondsanalysefirma Morningstar analysiert werden.

 

Keine glückliche Hand


Nicht nur auf dem US-Aktienmarkt, auch in Japan, Europa oder bei Gold- und Biotechaktien haben die drei Grossen keine glückliche Hand. Von den neun Goldfonds, die schon seit fünf Jahren auf dem Markt sind, belegen die drei Schweizer Fondshäuser die Ränge sechs bis acht.

 

Schon fast peinlich ist ihre Performance in der Kategorie Aktien Schweiz – sowohl bei den Bluechips wie bei den Nebenwerten, den Small & Mid Caps. Peinlich deshalb, weil man von einem Schweizer Bankhaus erwarten könnte, dass es auf dem Heimmarkt einen gewissen Wettbewerbsvorteil geniesst. Doch unbestrittener Spitzenreiter in der Kategorie Aktien Schweiz ist kein Schweizer Institut, sondern die DWS, die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Der «DWS Zürich Invest Aktien Schweiz» ist keine Eintagsfliege. Der Fonds gehört zu jenen Produkten, welche regelmässig in den ersten Rängen anzutreffen ist. Hingegen liegen die Aktienfonds der drei grossen Schweizer Fondsgesellschaften auch hier trotz Heimvorteil in der hinteren Hälfte. Einzige Ausnahme ist der CS EF Swissac. Doch der grössere Teil der CS-Kunden verfügt nicht über Anteile am Swissac, sondern am «CS EF Swiss Blue Chips». Dieser ist zehnmal grösser als der Swissac und investiert mehr oder weniger in die gleichen Aktiengesellschaften. Bedenklich: Von den untersuchten 59 Fonds liegt der «CS EF Swiss Blue Chips» auf Rang 51.

 

Es gib auch Perlen


Wer sucht, findet auch Ausnahmen: In der Kategorie Emerging Markets liegt das Swisscanto-Produkt auf Rang 11 von insgesamt 52 vergleichbaren Aktienfonds – auch hier wurde die Fünfjahresperiode als Massstab genommen. Bei den Obligationen sind UBS und CS in der Rangliste mitunter sogar in vorderster Front anzutreffen.

 

Die Schweiz geniesst zwar weltweit einen ausgezeichneten Ruf als Vermögensverwalter. Doch in den wichtigsten Kategorien rentieren ihre Aktienfonds nur unterdurchschnittlich. Doch der vorliegende Vergleich zeigt noch etwas anderes: Es ist nicht nur entscheidend, ob man amerikanische, japanische, europäische Aktienfonds oder allfällige Themenfonds kauft. Ebenso entscheidend ist es, innerhalb der gewünschten Kategorie den erfolgreichen Aktienfonds herauszupflücken. Am besten orientiert man sich am Leistungsausweis. Zwar hat man keine Gewähr, dass Aktienfonds mit einem guten Resultat auch in Zukunft zu den Gewinnern zählen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Anlagefonds, der in der Vergangenheit zu den besten 20 Prozent seiner Kategorie gehörte, im folgenden Jahr wieder im obersten Fünftel landen wird, liegt bei 68 Prozent. Dies hatte die Fondsrating-Agentur Lipper mal ausgerechnet. Hingegen liegt bei einer rein zufälligen Auswahl eines Fonds die Wahrscheinlichkeit, einer der besten 20 Prozent auszuwählen, nur bei 20 Prozent.

 

Erschienen in der BZ am 29. Januar 2008

Claude Chatelain