Heute 8 Milliarden; das nächste Mal 50?

Kann ein einzelner Händler eine Grossbank um 8 Milliarden Franken prellen? Aufsichtsbehörden und Bankenexperten hätten diese Frage bis vorgestern vermutlich verneint. Heute wissen wir es besser: Er kann. Zumindest bei der Société Générale, der zweitgrössten Bank Frankreichs, war das möglich. Wie es so weit kam, interessiert vorerst nicht. Alarmierend ist allein die Tatsache, dass so etwas überhaupt passieren kann.

1995 hatte Nick Leeson von seinem Platz in Singapur aus die traditionsreiche Londoner Baring Bank gründlich ruiniert. Danach versicherten die Geldhäuser rund um den Globus, die internen Kontrollmechanismen und Sicherungssysteme angepasst zu haben. 1998 verspekulierte die UBS unter dem damaligen CEO Marcel Ospel mit einem Hedge Fund 1 Milliarde Franken. Postwendend hiess es, man werde daraus die Lehren ziehen, das Risikomanagement und die interne Aufsicht verbessern. Keine zehn Jahre später dann die noch nicht ausgestandene Subprime-Krise, welche die UBS offiziell 16 Milliarden Franken und inoffiziell noch mehr kosten dürfte – übrigens immer noch unter Marcel Ospel, diesmal als Verwaltungsratspräsident. Klar, dass es erneut heisst, man werde daraus die Lehren ziehen. Wer glaubt noch daran?

 

Wenn man einen Betrugsfall in Höhe von 8 Milliarden Franken nicht verhindern kann, lassen sich wohl auch höhere Betrugsfälle nicht vermeiden. Von aussen betrachtet, muss man sich demnach die bange Frage stellen, ob es beim nächsten Mal 20, 30 oder gar 50 Milliarden Franken sein werden. Mit 50 Milliarden Franken müssten wir nicht mehr über Zusatzkredite für die neue Alpentransversale debattieren. Mit diesem Betrag könnte die Neat gleich zweimal bezahlt werden.

 

Um ein 50-Milliarden-Loch zu stopfen, würde selbst die Kapitalkraft einer UBS oder CS nicht mehr ausreichen. Dann würden auch Staatsfonds nicht mehr investieren. Und im Unterschied zum Chiasso-Skandal vor 30 Jahren ist bei solchen Dimensionen auch keine Hilfe von anderen Schweizer Banken mehr zu erwarten.

 

«Too big to fail» würde es dann heissen. Zu gross, um scheitern zu dürfen. Also müsste der Steuerzahler einspringen. Für Bernerinnen und Berner wäre eine Bankensanierung keine neue Erfahrung. Bei der Swissair sah sich die Eidgenossenschaft auch genötigt, Steuergelder à fonds perdu zur Verfügung zu stellen. Etwa nach dem Motto: Gewinne privatisieren; Verluste sozialisieren.

 

Es wird langsam unheimlich, zwei globale Bankenmonster im Land zu wissen, für deren mangelhafte Kontrollen wir womöglich die Zeche bezahlen müssen.

 

Erschienen in der BZ am 26. Januar 2008

Claude Chatelain