Chatelain rät: Aktien kaufen - wenn nicht jetzt, wann denn sonst?

Frage: Sie haben mehrmals empfohlen, das Spargeld von Kindern in einem Fondskonto anzulegen. Das habe ich auch vor. Nun habe ich gesehen, dass die Aktien ziemlich gefallen sind. Soll ich trotzdem jetzt schon das Geld der Kinder anlegen oder besser noch warten? D. M. via E-Mail

 

Antwort: Warten auf was? Warten, bis die Aktien wieder teurer sind? Das Geld sollten Sie nicht «trotzdem» anlegen, sondern «jetzt erst recht». Der Swiss Market Index (SMI) erreichte im Juni vergangenen Jahres 9548 Punkte. Das ist der höchste Wert, den das wichtigste Börsenbarometer für Schweizer Aktien je erreicht hat. Heute liegt der SMI bei 7500 Punkten. Die genau gleichen Aktien sind also heute um 20 Prozent günstiger zu haben als vor acht Monaten. Natürlich könnte die Börse weiter fallen. Sie könnte sich aber auch erholen. Vielleicht haben wir den Tiefstpunkt erreicht; vielleicht sind wir noch weit davon entfernt. Niemand kann Ihnen diese Frage beantworten. Deshalb sollte man beim Anlegen gar nicht auf solche Wetten eingehen, sondern systematisch vorgehen und gewisse Grundregeln beachten. Eine der wichtigsten Grundregeln lautet: Kaufe in der Baisse, verkaufe in der Hausse.

 

Der SMI hat sich in vier Jahren mehr als verdoppelt. Wenn ein Börsenindex in vier Jahren ununterbrochen steigt und neue Rekorde bricht, ist höchste Vorsicht geboten. Es ist wie sonst im Leben: Je höher man klettert, desto tiefer der Fall. Das mag für Sie wie eine Binsenwahrheit klingen. Doch viele Anleger scheinen sich nicht an diese Erkenntnis zu halten.

 

«Soll ich jetzt Aktien kaufen?» Diese Frage wird mir nie so häufig gestellt, wie wenn die Börsen auf Rekordhöhen segeln. Und jetzt, wo die Kurse fallen, fragen mich die Leute, ob sie ihre Aktien verkaufen sollen.

 

Angenommen, der SMI sinkt noch bis auf 6000 Punkte. Was ist der Unterschied, ob Sie die Aktien heute bei einem Index-Stand von 7500 oder später bei einem Stand von 6500 kaufen? Wenn Sie heute kaufen, müssen Sie länger warten, bis sich die Kurse wieder bis auf den Einstandspreis hochgerappelt haben. Der Trost: Jene, die im vergangenen Frühling beim Stand von über 9000 Punkten eingestiegen sind, müssen noch viel länger warten.

 

Erschienen im BLICK am 26. Januar 2008

Claude Chatelain