Die Versicherungsverband fordert tiefere Renten

Die Lebensversicherer unterliegen in der beruflichen Vorsorge strengeren Richtlinien als betriebseigene Pensionskassen. Deshalb fordern sie eine rigorose Senkung des Umwandlungssatzes, was gleichzeitig tiefere Renten bedeutet.

Fallende Aktienkurse schüren Ängste und steigern das Bedürfnis nach erhöhter Sicherheit. So gesehen erfolgt der jüngste Börsencrash für den Schweizerischen Versicherungsverband (SVV) gerade zur rechten Zeit. Der Verband führte gestern seine Jahresmedienkonferenz durch. Gute Gelegenheit also, auf die Stärke der Versicherer mit ihren garantierten Leistungen hinzuweisen. Dies gilt insbesondere auch in der beruflichen Vorsorge. Der Aktienanteil in den Wertschriftenportefeuilles der Versicherer liegt unter 10 Prozent. Die Versicherer werden also durch einen Aktiencrash weniger stark durchgeschüttelt als betriebseigene Pensionskassen und autonome Sammelstiftungen.

 

Die Lebensversicherer bieten in der beruflichen Vorsorge grössere Sicherheiten als die anderen Vorsorgeeinrichtungen: Sie dürfen keine vorübergehende Unterdeckungen aufweisen, und die Leistungen müssen immer voll finanziert sein. Mit diesem sogenannten Vollversicherungsmodell müssen sie strengere Anlagerichtlinien verfolgen.

 

So ist auch zu erklären, weshalb vor allem die Versicherer nach einem tieferen Umwandlungssatz rufen. Sie taten es auch gestern und fordern weiterhin einen Umwandlungssatz von 6 Prozent. Verbandspräsident Erich Walser: «Jetzt muss die Politik handeln: Die zunehmende Lebenserwartung und die seit Jahren rückläufigen Zinsen erfordern eine rasche Senkung des Umwandlungssatzes.»

 

Von 7,2 auf 6,4 Prozent


Der Umwandlungssatz ist der Prozentsatz, mit welchem das in der Pensionskasse angesparte Kapital zum Zeitpunkt der Pensionierung in eine lebenslange Altersrente umgewandelt wird. Lange Jahre lag dieser Satz bei 7,2 Prozent. Laut geltendem Recht wird er schrittweise auf 6,8 Prozent gesenkt. Doch der Bundesrat will noch weiter senken und plädiert für 6,4 Prozent. In der kommenden Frühjahrssession wird der Nationalrat darüber befinden.

 

Pensionskassen und autonome Sammelstiftungen können mit dem bundesrätlichen Vorschlag gut leben. Nur die Lebensversicherer verlangen– wie gesagt – eine noch stärkere Senkung.

Bei der Forderung nach einem Satz von 6 Prozent schlug der SVV gestern leisere Töne an als auch schon. Dies dürfte mit der politischen Stimmung zusammenhängen. Es wird nicht überall verstanden, warum die gesamte Pensionskassenwelt am Gängelband der Versicherer marschieren soll. Mag ein tieferer Umwandlungssatz beim Vollversicherungsmodell berechtigt sein; für andere Pensionskassen ist er es nicht.

 

Die SP-Fraktion hat im März vergangenen Jahres eine Parlamentarische Initiative eingereicht, um die Vorsorgeeinrichtungen dazu zu verpflichten, direkt Eigentümer aller Aktiven zu sein. Das würde bedeuten, dass die Versicherer die Spargelder in die Vorsorgestiftung auslagern müssten. Dies wäre gleichzeitig das Ende des Vollversicherungsmodells.

 

Gefragte Vollversicherungen

 

Wie Walser erklärt, besteht bei Kleinunternehmen ein grosses Bedürfnis nach dem Vollversicherungsmodell mit ihren garantierten Leistungen. Die Helvetia-Versicherungen, wo Walser als VR-Präsident amtet, errichtete vor einem Jahr eine autonome Sammelstiftung. Somit haben KMUs die Wahl zwischen dem Vollversicherungsmodell mit den tieferen Anlageerträgen und der Sammelstiftung, wo sie ein gewisses Risiko mittragen. Die Nachfrage, sich via Sammelstiftungen zu versichern, ist laut Walser «sehr gering».

 

Erschienen in der BZ am 23. Januar 2008

Claude Chatelain