Kommentar: Gier und Angst

Als Börsianer ist man entweder ein Bulle oder ein Bär: Der Bulle glaubt an Kurssteigerungen und kauft Aktien. Der Bär prognostiziert tiefere Kurse und verkauft seine Papiere.

Man könnte Anleger auch in Gierige, Besonnene und Angsthasen unterteilen. Der Gierige will immer mehr. Er behält und kauft Aktien, obschon die Märkte auf Rekordhöhe notieren. Der Swiss Market Index (SMI) stieg innert vier Jahren von 3618 auf 9548 Punkte, plus 164 Prozent. Wer es in dieser Zeit verpasst hat, zumindest einen Teil der Gewinne ins Trockene zu legen, darf sich zu den Gierigen zählen.

 

Der Angsthase ist jener, der es bei einer schlechten Stimmung nicht wagt, Aktien zu kaufen. Er lässt sich erst dann umstimmen, wenn es schon zu spät ist.

 

Bliebe noch der Besonnene, der selbstverständlich auch nicht weiss, wann der Berg erklommen und die Talsohle durchschritten ist. Dafür weiss er, dass auf jede Baisse eine Hausse folgt und umgekehrt.

 

Gemessen am SMI, sind Schweizer Aktien um 22 Prozent günstiger zu haben als im Juni vergangenen Jahres. Was will man mehr? Vielleicht möchte man hoffen, die Aktien zu einem noch tieferen Preis zu ergattern. Das liesse dann wiederum auf eine gewisse Gier schliessen.

 

Erschienen in der BZ am 23. Januar 2008

Claude Chatelain