Chatelain rät: Ich habe das Kapital bezogen. Was jetzt?

Mein Mann wird Ende Jahr pensioniert und wird sich das Pensionskassenguthaben auszahlen lassen. Das Geld wollen wir auf der Bank anlegen. Wir haben an Kassenobligationen und Festgeldanlagen gedacht. Nun haben wir noch von Leibrenten gehört. Wäre das allenfalls eine sinnvolle Alternative? M.U., St. Antoni FR

Leibrentenversicherungen sind sehr wohl eine Alternative – in Ihrem Fall aber keine sinnvolle. Sie erhielten zwar bis ans Lebensende regelmässig eine Rente ausbezahlt – auf sicher. Aber auch von der Pensionskasse könnten Sie sich bis ans Lebensende eine Rente auszahlen lassen – ebenfalls auf sicher. Nur mit dem Unterschied, dass die PK-Rente deutlich höher ausfällt als die Leibrente. Dies selbst wenn man berücksichtigt, dass die PK-Rente zu 100 Prozent und die Leibrente nur zu 40 Prozent als Einkommen zu versteuern sind.

Ich weiss nicht, weshalb Sie sich das Pensionskassenkapital auszahlen lassen. Viele Leute tun sich schwer mit der Entscheidung, ob sie das Kapital oder die Rente beziehen wollen. Es gibt ja keine allgemeingültige Antwort, was besser ist. Im einen Fall ist die Rente, im anderen Fall der Kapitalbezug vorzuziehen. Ich habe wiederholt beobachtet, dass Leute das PK-Kapital beziehen und dann nicht wissen, wie sie es sinnvoll anlegen können.

Mit Kassenobligationen, Festgeldanlagen oder auch Rentenversicherungen werden Sie nie auf den gleichen Betrag kommen, wie er Ihnen von der PK in Form einer Rente ausbezahlt würde. Der Kapitalbezug macht nur Sinn, wenn Sie das Kapital systematisch verzehren oder aber in Aktien anlegen. Dass Aktienanlagen so ihre Tücken haben, ist bekannt. Ob Sie aber bereit sind, das Kapital nach und nach zu verbrauchen, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass sich viele Leute damit schwertun. Wenn Sie aber die Absicht haben, das Kapital langsam aufzubrauchen, so ist die Leibrentenversicherung sowieso das falsche Produkt.


Oder haben Sie sich etwa wegen der Erben für den Kapitalbezug und gegen die Rente entschieden? Dann sind Sie mit Kassenobligationen nicht schlecht beraten; mit Leibrenten hingegen schon.

 

Erschienen im BLICK am 5. Januar 2008

 

Claude Chatelain