Chatelain rät: Mit Aktien gut schlafen und gut essen

Frage: Ich bin 56 Jahre alt und habe auf zehn Jahre 150000 Franken zum Anlegen. Die Hypothek auf dem Haus möchte ich nicht reduzieren. Mir schwebt vor, das Geld in drei Teilen anzulegen. Ich bin bereit, für 50000 Franken ein gewisses Risiko einzugehen. Den Rest möchte ich konservativ anlegen. R. S., via E-Mail

 

Antwort: Wenn Sie mir schreiben, für 50'000 Franken würden Sie ein gewisses Risiko eingehen, aber die restlichen 100'000 Franken müssten konservativ angelegt werden, so müsste ich Ihnen laut Lehrbuch für 50'000 Franken Aktienfonds und für 100'000 Franken Obligationenfonds empfehlen. Glücklicherweise sagen Sie mir auch, dass Sie noch eine Hypothekarschuld hätten, die Sie nicht abzahlen wollen. Das führt mich dazu, vom Kauf von Obligationen abzuraten. Denn mit risikolosen Obligationen werden Sie nach Abzug der Steuern höchstwahrscheinlich einen tieferen Zinsertrag erhalten, als Sie an Hypozinsen nach Steuern bezahlen müssen.

 

Kommen wir zu den Aktienfonds. Eine alte Börsenweisheit lautet: «Mit Obligationen gut schlafen; mit Aktien gut essen.» Nun, dieser Spruch ist wohl alt, aber nicht sehr weise. Richtig ist natürlich, dass Aktien grösseren Kursschwankungen unterliegen als Obligationen. Doch Kursschwankungen sind nur dann problematisch, wenn man täglich das Kursblatt anschaut oder wenn die Papiere nach ein paar wenigen Jahren wieder verkauft werden müssen. Doch Sie wollen Ihr Geld auf zehn Jahre investieren. Da ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, eine positive Rendite zu erzielen. Je länger die Anlagedauer, desto grösser die Wahrscheinlichkeit eines Kursgewinns. In allen möglichen Zehnjahresperioden seit 1925 verzeichnete der Schweizer Aktienmarkt in 96 Prozent der Fälle einen Kursanstieg.

 

Wichtig ist, dass Sie nicht auf einzelne Aktien, sondern auf den gesamten Markt setzen. Eine breite Streuung ist das A und O jeder Finanzanlage. Dazu bieten sich börsenkotierte Indexfonds an, sogenannte ETF. Sie spiegeln die Marktentwicklung und sind günstiger als herkömmliche Anlagefonds. Zweitens sollten Sie nicht den gesamten Betrag auf einmal investieren. Besser ist, die Investition auf drei bis vier Jahre zu verteilen.

 

Erschienen im BLICK am 9. Januar 2008

Kommentar schreiben

Kommentare: 0

Claude Chatelain