Auf den Topf kommt es an

Das persönliche Pensionskassenguthaben wird auf zwei Töpfe aufgeteilt: den obligatorischen und überobligatorischen. Problematisch ist diese Aufteilung, wo die beiden Töpfe unterschiedliche Leistungen abwerfen.

Früher war es einfach: In der beruflichen Vorsorge gab es einen einheitlichen Umwandlungssatz für alle: 7,2 Prozent. Nun wird der Umwandlungssatz sukzessive gesenkt. Noch schlimmer: Auf dem obligatorischen und überobligatorischen Teil werden häufig unterschiedliche Umwandlungssätze angewandt. Das heisst, auf dem im Rahmen des gesetzlichen Obligatoriums angesparten Altersguthaben wird eine höhere Rente ausbezahlt als auf den überobligatorischen Geldern. Als überobligatorisch werden jene Alterskapitalien und Leistungen bezeichnet, welche über das gesetzliche Minimum hinausgehen. Insbesondere die Lebensversicherer betreiben eine Politik der zwei Töpfe mit unterschiedlichen Leistungen.

 

Tiefe Umwandlungssätze

 

Auf dem obligatorischen Teil beträgt der Umwandlungssatz ab diesem Jahr für Männer noch 7,05 Prozent. Bis 2014 wird er auf immer noch relativ hohe 6,8 Prozent gesenkt. So verlangt es das Gesetz. Auf dem überobligatorischen Teil liegt der Umwandlungssatz hingegen häufig unter 6 Prozent, was eine deutlich tiefere Rente ergibt.

 

Problematisch ist diese Zweiteilung, wenn ein Teil des Kapitals vorbezogen oder wenn das Pensionskassenguthaben mit freiwilligen Einkäufen aufgestockt wird. In diesen Fällen ist es für den Versicherten – und auch für die Vorsorgeeinrichtung – von zentraler Bedeutung, ob nun Gelder vom obligatorischen oder überobligatorischen Topf verschoben werden. Bei einem Vorbezug hat der Versicherte alles Interesse, Gelder vom überobligatorischen Topf zu nehmen. Umgekehrt ist es für die Vorsorgeeinrichtung interessanter, sich der obligatorisch angehäuften Gelder zu entledigen, auf welchen eine höhere Rente geschuldet wird.

 

In sechs Fällen weniger

 

Im Wesentlichen gibt es sechs Fälle, bei welchen das Pensionskassenkapital geschmälert oder aufgestockt wird: freiwillige Einkäufe, Vorbezug für die Finanzierung des Eigenheims, Rückzahlung des Vorbezugs für die Eigenheimfinanzierung, Teilkapitalbezug bei der Pensionierung, Auszahlung für Abfindung bei Scheidung und Einzahlung aus Abfindung bei Scheidung.

 

Problemfall Scheidungen

 

Gerade bei Scheidungen kann die Politik der zwei Töpfe zu grossen Ungerechtigkeiten führen. In einem Fall wurde das Pensionskassenkapital eines Exmannes von der Winterthur überobligatorisch angelegt, was zu einer um 43 Prozent tieferen Rente für die Exfrau führte. Trotz heftiger Proteste halten Winterthur oder Bâloise an dieser Praxis fest. Ungerecht, weil ein Teil der Gelder im Rahmen des gesetzlichen Obligatoriums erwirtschaftet wurden und daher auch in den obligatorischen Topf gehörten. Erst kürzlich hat sich auch das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) in diesem Sinn geäussert.

 

Pax und Zürich machen es vor: Sie stützen sich auf die Meldung der Vorsorgeeinrichtung, von welcher das Geld überwiesen wird. Aus der Meldung sollte hervorgehen, wie viel der obligatorische Teil am geteilten Altersguthaben ausmacht. Andere verbuchen Zu- und Abflüsse proportional – entsprechend des Anteils der obligatorischen und überobligatorischen Gelder am gesamten Altersguthaben. «Die proportionale Aufteilung ist die klarste und gerechteste Lösung für alle Beteiligten», meint der Sprecher von Swiss Life. Wirklich gerecht sind jene Lösungen, bei welchen für beide Geldtöpfe ein einheitlicher Umwandlungssatz angewandt wird. Bei den meisten betriebseigenen Pensionskassen ist das der Fall.

 

Erschienen in der BZ am 8. Januar 2008

Claude Chatelain