Diese Versicherungen können Sie sich sparen

Viele Versicherungen sind gar keine Versicherungen, sondern Wetten. Frei nach Gottschalk: Wetten, dass ich mit der Versicherung ein gutes Geschäft mache. Häufiger als bei Gottschalk geht die Wette verloren.

Grundsätzlich gilt: Versicherungen sind dort notwendig, wo ein möglicher Schaden zum Ruin führt. Schäden, die man selber berappen kann, braucht man nicht zu versichern. Die wichtigsten Beispiele:

 

Einfacher Diebstahl auswärts: Das gestohlene Auto ist in der Teilkasko versichert, Pelzmäntel werden eher besprayt als gestohlen, und das entwendete Bargeld ist eh nicht versichert. Was sonst noch gestohlen wird, ist häufig weniger wert als der Selbstbehalt. Es macht sich bezahlt, jährlich die Prämie von rund 120 Franken anzusparen und mit diesem Geld gestohlene Skis oder ein Ersatzvelo zu beschaffen.

 

Glasversicherung: Die zerbrochene Wohnzimmerscheibe wird den Eigenheimbesitzer kaum ruinieren. Das gespaltene Lavabo auch nicht. Zudem ist nur fest installiertes Glas versichert, nicht jedoch Glasgeschirr oder Glasfiguren.

 

Insassenversicherung: Damit werden die Heilungskosten von Mitfahrern gedeckt, unabhängig davon, ob der Fahrer den Unfall verschuldet hat. Da aber alle Schweizer obligatorisch gegen Krankheit und Unfall versichert sind, ist die Insassenversicherung meistens überflüssig.

 

Annullationskostenversicherung: Die Reise ist bereits bezahlt. Die Krankheit oder der Todesfall in der Familie führt höchstens zum Verzicht auf die Reise, aber nicht zum finanziellen Fiasko. Zudem zahlt beim Abbruch einer Reise die Annullationskosten-Versicherung nur die Kosten für die noch nicht bezogenen Leistungen. Mit der Reiseersatzkostenversicherung wird jedoch die ganze Reise vergütet. Keiner muss darben, der diese Versicherung nicht abgeschlossen hat.

 

Obligatorische Krankenversicherung: Keine 5 Prozent der Schweizer nehmen jeweils die Gelegenheit wahr, bis Ende November zu der günstigsten Krankenkasse zu wechseln. Also könnten 95 Prozent der Versicherten mit einem Wechsel Geld sparen.

 

Spitalkostenzusatzversicherung: Manche leisten sich den Luxus einer Spitalkostenzusatzversicherung allein wegen der freien Arztwahl. Es ginge auch günstiger: Flexible Modelle haben tiefere Prämien, dafür einen hohen Selbstbehalt.

 

Zahnversicherung: Die Zahnversicherung lohnt sich höchstens, wenn auch die Sanierung des Gebisses versichert ist. Bei den meisten Kassen ist jedoch die maximal versicherte Summe auf wenige tausend, manchmal auf nur wenige hundert Franken limitiert.

 

Komplementärmedizin: Zusatzversicherungen für Alternativmedizin decken nur einen Teil der Kosten und haben ein tiefes Kostendach von wenigen tausend Franken. Zudem besteht das Risiko, dass die Versicherung nichts zahlt, weil der behandelnde Therapeut oder die alternative Heilmethode von der Kasse nicht anerkannt sind. Wer noch keine komplementärmedizinischen Behandlungen beansprucht, legt die Prämie lieber auf die Seite.

 

Pflegeversicherung: Alte und pflegebedürftige Leute werden dank dem System der Ergänzungsleistungen vom sozialen Netz aufgefangen. Pflegeversicherungen machen nur für Wohlhabende Sinn, die ihre Erbschaft sichern wollen.

 

 

Schweizer sind überversichert

Die Schweiz ist zwar nicht mehr Weltmeister. 2006 haben erstmals die Engländer am meisten für Versicherungen ausgegeben. Nämlich 7888 Franken pro Kopf. Aber die Schweiz zählt mit 6784 Franken immer noch zur absoluten Weltspitze. Dabei nicht eingerechnet sind Prämien für AHV, IV und Arbeitslosenver-sicherung. Laut den Daten der Swiss Re liegt

Deutschland mit 2971 Franken auf Rang 22. Somit zahlen die Deutschen für Versicherungen nicht einmal halb so viel wie die Schweizer. Am oft gehörten Spruch scheint also etwas dran zu sein: Wir sind überversichert.

Erschienen im BLICK am 27. Dezember 2007


Claude Chatelain