Chatelain rät: Berner Steuerbeamter muss Fehler zugeben

Auch Steuerbeamte dürfen Fehler machen. Unerträglich ist es aber, wenn sie den Fehler nicht einsehen wollen. Und ein Skandal ist es, wenn auch die Einsprache wider besseres Wissen abgelehnt wird. So geschehen im Kanton Bern. Erst auf Intervention von BLICK hat sich die Steuerverwaltung des Kantons Bern bei der Steuerzahlerin entschuldigt und die Einsprache im Nachhinein gutgeheissen.

6365 Franken können Angestellte, die einer Pensionskasse angeschlossen sind, auf ein gebundenes Konto 3a einzahlen und vom steuerbaren Einkommen in Abzug bringen. Vor zwei Jahren lag dieser Betrag noch bei 6192 Franken. Dies ist auch den Steuerjuristen bekannt. Weniger bekannt scheint unter Veranlagungsbeamten die Tatsache zu sein, dass auch Arbeitslose 6365 Franken aufs Konto 3a einzahlen und steuerlich geltend machen dürfen, sofern sie Arbeitslosentaggelder bezogen haben.

 

Schon am 10. August 2005 schrieb ich in meiner Kolumne: «Steuervogt irrt sich», nachdem die Veranlagungsbehörde Graubündens den Steuerabzug einer arbeitslosen Frau nicht gewähren wollte. Einer Steuerzahlerin aus Langenthal erging es nun ebenso, worauf sie meinen vor drei Jahren erschienenen Artikel dem Veranlagungsbeamten vorlegte. Doch der Kantonsangestellte verneinte hartnäckig die Berechtigung des Steuerabzugs und behauptete angeblich: «Der Artikel ist falsch. Es wird halt viel geschrieben, ohne Bescheid zu wissen.» Das Dumme nur: Der angeblich falsche Artikel wurde damals von der Eidgenössischen Steuerverwaltung gegengelesen und abgesegnet.

 

Es kommt noch dicker: Auch die Einsprache der Steuerzahlerin wird abgelehnt. Auf der anderen Seite bestätigte mir die Steuerverwaltung des Kantons Bern die Berechtigung des 3a-Abzuges für Arbeitslose. Erst nach Intervention des BLICK hat der Bereichsleiter Veranlagung ein Einsehen und schreibt der geprellten Steuerzahlerin: «Eine nochmalige Überprüfung des Anliegens hat ergeben, dass wir Ihnen (...) die geleisteten Beiträge von 6192 Franken in die gebundene Vorsorge irrtümlicherweise nicht gewährt haben.»

Die Moral von der Geschichte: Glauben Sie dem BLICK, nicht den Steuerbeamten.

 

Erschienen im BLICK am 22. Dezember 2007

Claude Chatelain