Chatelain rät: Bietet Silber die grössere Sicherheit?

Die Banken sagen mir, wenn du was Sicheres willst, kaufe Bundesanleihen oder Kassenobligationen. Ich traue dieser Sicherheit nicht. Wenn es einen Crash gibt, eine Hyperinflation oder einen Staatsbankrott, könnte diese Sicherheit bös ins Wanken geraten. Ich komme kaum von der Faszination Silber weg. Am liebsten hätte ich es physisch, aber dann müsste ich es wieder hüten. R. S. via E-Mail

Wenn Sie das Schwärzeste aller Szenarien an die Wand malen, so sind Sie mit dem Kauf von Edelmetall nicht schlecht beraten. Wenn das monetäre System zusammenbricht, würde der Wert von Edelmetall steigen. Ob wir dann aber vom Geldhandel wieder zu einer Art Tauschhandel übergingen, wage ich nicht vorauszu- sagen. Dann dürfte aber eher Gold gefragt sein denn Silber. Zugegeben: Für Horrorszenarien bin ich wohl der falsche Ansprechpartner.

So oder so ist Silber für ein breit gestreutes Depot keine schlechte Sache. Interessant ist dieses Edelmetall auch deshalb, weil jährlich mehr gefördert, als neu im Boden gefunden wird. Neue Lager werden zwar erschlossen, dafür erschöpfen sich bestehende Minen. Ferner wird Silber nicht nur für Anlage-, sondern auch für Produktionszwecke verwendet.

Den Zeitpunkt zum Kauf erachte ich nicht als optimal. Nicht optimal deshalb, weil der Preis in den vergangenen Monaten markant gestiegen ist. Am 16. August kostete die Feinunze 11.09 Dollar. Heute dagegen 14,47 Dollar – plus 30 Prozent! Typisch: Wenn die Finanzmärkte ins Trudeln geraten, steigt die Nachfrage nach Edelmetall.

Sie können über einen Anlagefonds in Silber investieren, sodass Sie das Metall nicht physisch erwerben müssen. Dazu bietet sich der Silber-ETF der Zürcher Kantonalbank an. Die ZKB hat dafür 239 Tonnen Silber im Wert von rund 1234 Millionen Franken hinterlegt. Leider kostet ein einziger Anteil über 17000 Franken, sodass er nur für vermögende Kunden in Frage kommt. Günstiger sind Silber-Zertifikate. Diese kommen aber für Sie nicht in Frage. Zertifikate sind im Unterschied zu Anlagefonds nicht mit Vermögenswerten unterlegt. Es sind Schuldverschreibungen der Banken und daher nicht sicherer als Kassenoblis.

 

Erschienen im BLICK am 8. Dezember 2007

Claude Chatelain